Veröffentlicht am 16. September 2022
Aktualisiert am 20. Juni 2026

Der Camaro bot eine breite Motorenpalette an, um verschiedene Fahrerbedürfnisse und -vorlieben abzudecken. Die Sechszylinder-Reihenmotoren waren einfach und effizient, während die Small Block V8-Motoren durch ihre Vielseitigkeit und das sportliche Fahrerlebnis überzeugten. Die Big Block V8-Motoren lieferten brachiale Leistung und machten den Camaro zu einem ernstzunehmenden Gegner auf der Rennstrecke und im Dragstrip. Diese Vielfalt ist ein wesentlicher Grund für den anhaltenden Kultstatus des Camaro aus dieser Ära.
Die nachstehenden Tabellen enthalten sämtliche Motoren mit den wesentlichsten technischen Daten. Sie sind getrennt nach der Motorenbauform.
Die Leistungsangaben in den Tabellen sind als HP oder hp = Horsepower angegeben und ist nicht mit unseren Pferdestärken = PS zu verwechseln. Das HP ist aus dem imperialen/amerikanischen Einheitensystem und nicht aus unserem mitteleuropäischen metrischen System. Für die erste Generation waren diese Angaben zudem in Brutto-SAE-HP.
Inline-Six / Sechszylinder-Reihenmotoren
Der Camaro startete als Basis mit einem Reihensechszylinder-Motors, um eine erschwingliche Wahl für Käufer zu bieten, die weniger auf reine Leistung, sondern auf Alltagstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit setzten. Die Motorenbaureihe wurde Turbo-Thrift genannt.
Besonderheiten:
- Diese Motoren waren vergleichsweise einfach aufgebaut und boten ein ausgewogenes Verhältnis aus Kraftstoffeffizienz und ausreichender Leistung für den täglichen Gebrauch.
- Die 3,8-Liter-Version (230 cui)1 war serienmäßig in der Basisausstattung des Camaro und hatte ein geringeres Gewicht im Vergleich zu den V8-Motoren, was zu einem besseren Handling führte.
- Der 4,1-Liter (250 cui)mit einem moderaten Leistungsplus und mehr Drehmoment war als Extra verfügbar. Dies machte den Sechszylinder für Käufer attraktiver, die ein etwas sportlicheres Fahrerlebnis ohne den Durst der großen V8s wollten.
(Leider musste ich die Tabellen als Bilder ablegen, da die Formatierung hier echt schwierig ist. Der weiße rechte Teile war leider notwendig, da die Bilder sonst seitenbreit skaliert werden. Sorry!)

Small Block V8
Die Turbo-Fire genannten Small Block V8-Motoren bildeten das Herzstück der Camaro-Modellpalette und machten den Großteil der verkauften Fahrzeuge aus. Sie boten eine gute Balance zwischen Leistung und Gewicht, was sie zur ersten Wahl für sportliche Fahrer machte. Zur Entwicklung gibt es eine extra Seite.
Besonderheiten:
- Der 5,0-Liter (307 cui) wurde Ende 1968 eingeführt, dafür entfiel der 5,4-Liter (327 cui) und war die Vorbereitung auf die Zeit mit bleifreiem Benzin und geringerer Kompression.
- Der 5,4-Liter (327 cui) war einer der vielseitigsten Small Blocks und konnte in unterschiedlichen Leistungsstufen bestellt werden, was ihn für eine Vielzahl von Fahrern attraktiv machte. Diese Hubraumvariante fiel Ende 1968 aus dem Programm.
- Mit dem 5,7-Liter (350 cui), der ab 1967 eingeführt wurde, erreichte der Camaro neue Leistungsstufen. Dieser Motor wurde oft in der SS-Ausstattung eingesetzt und bot eine hervorragende Kombination aus hoher Leistung und relativ geringem Gewicht. Der 350er Small Block wurde zum Synonym für Leistung im Camaro.
- Der 4,9-Liter (302 cui) war speziell für den Camaro Z/28 entwickelt worden, um den Regeln der SCCA Trans-Am-Rennserie zu entsprechen. Dieser Motor war bekannt für seine hohe Drehfreudigkeit und bot bis zu 290 HP, obwohl seine tatsächliche Leistung oft höher lag. Ab 1968 erhielt der Motor eine Cross-Ram-Ansaugbrücke2 mit zwei 500 cfm(3) Doppel-Register-Vergasern von Holley bei allerdings unveränderter Leistung.

Big Block V8
Die Big Block V8-Motoren waren für Performance-Enthusiasten gedacht, die den Camaro in eine echte Drag-Racing-Maschine verwandeln wollten. Die Bezeichnung Turbo-Jet war bei der Motorenbaureihe Programm. Sie waren schwerer und boten im Vergleich zu den Small Blocks eine deutlich höhere Leistung und mehr Drehmoment.
Besonderheiten:
- Der 6,5-Liter (396 cui) war der Haupt-Big Block-Motor, der im Camaro angeboten wurde. Er war in mehreren Leistungsstufen erhältlich und wurde häufig in den SS-Modellen verbaut. Die Top-Version, der L78, lieferte 375 HP. Diese Motoren waren für ihre enorme Leistungsentfaltung bekannt, jedoch erhöhten sie durch ihr Gewicht die Frontlastigkeit des Fahrzeugs, was das Handling beeinflusste.
- Der 7,0-Liter (427 cui) war nur in speziellen COPO-Modellen erhältlich. Diese Modelle wurden für Hochleistungs-Kunden und Drag-Racing-Enthusiasten gebaut. Der Motor leistete offiziell 430 HP, war jedoch in der Realität deutlich stärker. Die COPO-Camaros mit dem 427er Motor gelten heute als besonders selten und begehrt. Darüber hinaus gab es von diversen Händlern modifizierte bzw. umgebaute Super Cars.
Für den Camaro war nie ein 454er (7,4 Liter) oder größer verfügbar. Bei den folgenden Big Blocks handelt es sich bei den 427ern um die verfügbaren COPO-Varianten.

Verkaufszahlen
Die Verkaufszahlen der Camaro-Motoren von 1967 bis 1969 zeigen einen deutlichen Wandel in den Käuferpräferenzen. Während der Camaro bei seiner Einführung 1967 noch stark als sportliches Alltagsfahrzeug positioniert war, entwickelte er sich innerhalb von nur drei Modelljahren zunehmend zu einem leistungsorientierten Performance-Car.
Im Modelljahr 1967 dominierte der Einstiegs-327-cui-V8 mit 210 HP (LF7) den Markt. Mit 102’409 Fahrzeugen entfielen 46,2 % der gesamten Produktion auf diesen Motor. Zusammen mit dem stärkeren 327 cui/275 HP (L30) stellte der 327er deutlich mehr als die Hälfte aller verkauften Camaros. Die Reihensechszylinder waren ebenfalls noch stark vertreten. Der 230-cui-Sechszylinder (L26) und der 250-cui-Sechszylinder (L22) erreichten zusammen 26,5 % Marktanteil. Big-Block-Motoren spielten dagegen praktisch keine Rolle. Selbst der legendäre Z/28 mit seinem 302-cui-Motor war mit lediglich 602 Fahrzeugen und 0,3 % Anteil noch ein absolutes Nischenmodell, dies auch, oder gerade weil er nicht weiter beworben wurde.
1968 verstärkte sich dieser Trend zunächst sogar noch. Der 327 cui/210 HP LF7 erreichte mit 124’870 Fahrzeugen seinen höchsten Marktanteil von 53 %. Mehr als jeder zweite produzierte Camaro verließ das Werk mit diesem Motor. Gleichzeitig sank der Anteil der Sechszylinder auf 21,7 %. Interessant ist jedoch die deutliche Zunahme des Z/28. Die Produktion stieg von 602 auf 7’199 Fahrzeuge, was einem Marktanteil von 3,1 % entsprach. Dies zeigt, dass Chevrolet mit der Vermarktung des Z/28 und seinem Engagement in der Trans-Am-Rennserie zunehmend Erfolg hatte.
Das Modelljahr 1969 markiert schließlich einen deutlichen Umbruch. Der bisher dominierende 327er wurde zum Jahresbeginn 1969 durch den neuen 307-cui-V8 mit 200 HP (L14) ersetzt. Mit 68’487 Fahrzeugen und 28,1 % Marktanteil wurde dieser Motor sofort zur meistverkauften Variante des Jahres. Gleichzeitig gewannen die 350-cui-Motoren stark an Bedeutung. Der 350 cui/250 HP (L65) und der 295 HP (L48) erreichten zusammen über 20 % Marktanteil. Damit begann die Entwicklung hin zur späteren Dominanz des Chevrolet-350-Small-Blocks.
Besonders auffällig ist die Entwicklung des Z/28. Die Produktion stieg 1969 auf 20’302 Fahrzeuge. Mit 8,3 % Marktanteil war der Z/28 zwar immer noch kein Volumenmodell, aber längst kein Exot mehr. Er entwickelte sich zu einem wichtigen Imageträger der Baureihe.
Gleichzeitig verloren die Reihensechszylinder kontinuierlich an Bedeutung. Ihr Anteil sank von 26,5 % im Jahr 1967 auf nur noch 14,9 % im Jahr 1969. Die Käufer entschieden sich zunehmend für V8-Motoren, selbst in den günstigeren Ausstattungsvarianten.
Folgenden Grafiken enthalten die Verkaufszahlen der verfügbaren Motorisierungen der 1. Generation:

Ein weiteres interessantes Ergebnis betrifft die heute besonders begehrten Big-Block-Modelle. Obwohl SS396, COPO 427 und insbesondere der ZL1 heute zu den bekanntesten und wertvollsten Camaros zählen, waren sie damals äußerst selten. Die verschiedenen 396-cui-Versionen erreichten 1969 zusammen lediglich rund 2,5 % Marktanteil. Der COPO 427 L72 wurde nur 997-mal gebaut, der legendäre Aluminium-ZL1 sogar lediglich 69-mal. Damit entfiel auf den ZL1 nur etwa ein Fahrzeug von 3’500 produzierten Camaros.
Die Daten zeigen deutlich, dass das heutige Bild auf Oldtimertreffen die damalige Realität nur eingeschränkt widerspiegelt. Während heute vor allem Z/28, SS396, COPO und ZL1 im Fokus stehen, bestand die große Mehrheit der produzierten Camaros aus vergleichsweise moderaten Small-Block-V8-Modellen.
Der typische Camaro von 1967 oder 1968 war ein 327 cui/210 HP LF7, während er 1969 mit einem 307 cui/200 HP L14 ausgeliefert wurde. Diese Motoren bildeten das eigentliche Rückgrat des Verkaufserfolgs der ersten Camaro-Generation.
Das heutige Käuferverhalten ist vergleichbar. Die Masse kauft keinen Golf GTI oder Audi RS oder AMG oder BMW M.
Anmerkungen
- in3, auch „cui“, „cu in“ oder „ci“ ist die amerikanische/imperiale Volumeneinheit des Hubraums. Als SI-Einheit wird cm3 verwendet. Umrechnung: 1 in3 = 16,387 cm3; 1 cm3 = 0,061 in3 ↩︎
- Das Besondere an einer Cross-Ram-Ansaugbrücke ist die kreuzweise angeordnete Führung der Ansaugrohre. Dabei wird die Luft- und Kraftstoffmischung über lange, sich kreuzende Ansaugwege in den gegenüberliegenden Zylinder geleitet. Diese kreuzweise Anordnung der Ansaugrohre verlängert den Weg der Luft-Kraftstoff-Mischung, was zu einem besseren Füllungsgrad der Zylinder führt, insbesondere bei hohen Drehzahlen. Diese längeren Ansaugwege verbessern den sogenannten „Ram-Effekt“, bei dem die einströmende Luft durch ihre Trägheit den Zylinder mit mehr Kraft füllt, was zu einer verbesserten Leistungsausbeute führt. Beim Z/28 wurde eine Kombination mit zwei seitlich angeordneten Doppel-Register-Vergasern verbaut, was dem Motor ein einzigartiges Aussehen und eine gesteigerte Leistungsfähigkeit verlieh. ↩︎
- cfm ist die Abkürzung für „cubic feet per minute“ (dt. Kubikfuß pro Minute) und bemisst den Volumenstrom. Eine vergleichbare SI-Einheit ist m3/h. Im Bezug auf Vergaser beschreibt diese Zahl den Gemischdurchsatz. Umrechnung: 1 m3/h = ca. 0,589 cfm; 1 cfm = ca. 1,699 m3/h ↩︎
