Chevrolet Camaro

die 1. Generation

Elektrischen Kühlerventilator verbauen

Grundlagen, Auswahl, Beschreibung, Anleitungen der Arbeitsschritte zur Montage

Veröffentlicht am 27. August 2019
Aktualisiert am 28. September 2026

Fähigkeiten:

Bewertung: 5 von 5.

Es werden Kenntnisse in der Fahrzeugelektrik benötigt.

Aufwand:

Bewertung: 3 von 5.

Dauer:

Bewertung: 3 von 5.

Allgemeines

Häufig hört man beim Small Block Chevy von Überhitzungspoblemen. In vielen Fällen sind tatsächlich schlicht zugesetzte oder verkalkte Kühler die Ursache – ein Klassiker bei Fahrzeugen dieses Alters. Besonders bei hohen Außentemperaturen und zähem Stop-and-Go-Verkehr zeigt sich das dann sehr zuverlässig.

Bei meinem Camaro war das zunächst auch die naheliegende Erklärung: Nach dem ersten „Kochen“ inklusive rund 1,5 Liter Kühlmittelverlust wurde der Kühler ersetzt. Problem gelöst? Leider nein. Bei der nächsten passenden Gelegenheit >32 °C Plus Stopp-and-Go – wiederholte sich das Schauspiel.

Also genauer hingeschaut. Und siehe da: Es fehlte schlicht ein entscheidendes Bauteil – das untere Drittel der Luftführung, der sogenannte Shroud, hinter dem Kühler. Klingt unscheinbar, hat aber eine zentrale Funktion. Luft ist bekanntlich bequem und nimmt den Weg des geringsten Widerstands. In meinem Fall bedeutete das: Der Ventilator zog die Luft nicht durch den Kühler, sondern gemütlich von unten aus dem Motorraum. Ergebnis: Im Stand praktisch keine wirksame Kühlung – Überhitzung vorprogrammiert.

Auf dem nachfolgenden Bild habe ich den Motor bewusst geschwärzt, um den Fokus auf das Wesentliche zu legen: Kühlluft-Trichter und Lüfterflügel. Blickt man zwischen Kühler, Lüfter und Luftführung nach unten, erkennt man direkt den „offenen Kanal“ zur Straße – also genau den Bereich, über den die falsche Luft angesaugt wird. Ein kleines Detail mit großer Wirkung.

Kühlerventilator
Kühllufttrichter mit Kühlerventilator

Lösung

Die Lösung liegt grundsätzlich auf der Hand: Entweder die originale Luftführung wieder vervollständigen oder das System gleich auf einen Elektrolüfter umstellen.

Variante eins ist technisch sauber und entspricht dem ursprünglichen Konzept. Allerdings hat sie ihren Preis – und das nicht nur finanziell. Die fehlende Kühlluftführung gibt es in der Regel nur komplett, was bei rund 130 USD startet. Rechnet man Versand für ein sperriges Bauteil sowie Einfuhrabgaben dazu, landet man realistisch bei etwa 250 EUR bis zur heimischen Garage. Dafür erhält man allerdings die originale, strömungstechnisch durchdachte Lösung.

Variante zwei ist die modernere Herangehensweise: Ein Elektrolüfter direkt am Kühler. Der mechanische Lüfter auf der Wasserpumpe entfällt, wodurch der Motor vom parasitären Widerstand entlastet wird. Die Kosten liegen mit etwa 150 EUR für Lüfter, Steuerung und Kleinteile deutlich darunter.

Unterm Strich ist es eine klassische Abwägung: Originalität und Werkslogik gegen Effizienz und technische Weiterentwicklung. Beide Wege sind funktional – entscheidend ist, welchen Anspruch man an das Fahrzeug stellt.

Auswahl des Lüfters

Bevor man sich voller Tatendrang irgendeinen Kühlerlüfter aus dem Onlineshop klickt, sollte man besser erst einmal klären, was das Ding überhaupt können muss. Einfach „16 Zoll klingt groß, wird schon passen“ ist bei der Motorkühlung ungefähr so belastbar wie „viel hilft viel“ bei Sicherungen.

Die günstigen Kandidaten aus dem Zubehörmarkt mit 12 bis 16 Zoll (300 bis 400 mm) Durchmesser liefern laut Werbeversprechen meist irgendetwas zwischen 800 und 1’000 cfm.1 Klingt erstmal ordentlich – bis die unvermeidliche Frage auftaucht: Unter welchen Bedingungen eigentlich? Denn Luftfördermenge ist geduldig, besonders im Prospekt. Entscheidend ist, bei welchem statischen Druck der Wert gemessen wurde. Für unseren Fall sind rund 100 Pascal (Pa) beziehungsweise 0,4 Inch Wassersäule (inH2O)2 relevant, also genau der Widerstand, den Kühlernetz, Lamellen, Kühlerreihen, ein möglicher Klimakondensator und jede noch so charmant undichte Kühlerzarge erzeugen.

Im normalen Fahrbetrieb hat der klassische V8 übrigens wenig Interesse am Lüfterdrama. Da übernimmt der Fahrtwind die Hauptrolle. Bei einer Kühlerfläche von etwa 0,23 m2 strömen theoretisch rund 6’800 cfm bei 50 km/h und über 13’000 cfm bei 100 km/h durch den Kühler. Selbst wenn man großzügig einrechnet, dass Grill, Lamellen und allerlei Verwirbelungen einen guten Teil davon auffressen – Stichwort: Strömungsverluste, bleiben immer noch etwa 3’000 bis 9’000 cfm übrig. Anders gesagt: Ab ungefähr 70 bis 80 km/h ist der Fahrtwind dem Lüfter so deutlich überlegen, dass dieser nur noch dekorativ mitdreht.

Der mechanische Blechlüfter an der Wasserpumpe fördert je nach Drehzahl ungefähr 800 bis 4’500 cfm. Ein guter elektrischer Lüfter liefert im Vergleich recht stoisch und ohne Theater etwa 2’000 bis 3’500 cfm. Beide haben aber im Fahrbetrieb ungefähr die gleiche strategische Bedeutung wie ein Handfächer auf der Autobahn. Ihre eigentliche Aufgabe beginnt erst dort, wo der Camaro nicht fährt, sondern leidet: im Leerlauf, im Stopp-and-Go und bei niedrigen Geschwindigkeiten. Genau dann müssen ungefähr 1’000 bis 2’500 cfm zuverlässig durch den Kühler gebracht werden, damit aus sommerlicher Wärme kein Dampfkochtopf wird.

Entscheidend ist deshalb nicht die möglichst heldenhaft klingende Maximalleistung aus der Werbung, sondern der Wirkungsgrad bei realem Gegendruck und ein sauber geführter Luftstrom im Stand. Ein Lüfter, der auf dem Papier Weltmeister ist, aber gegen den Kühler nur lustlos anpustet, hilft am Ende ungefähr so viel wie ein Sonnenschirm im Motorraum.

Unterm Strich sollte der elektrische Lüfter also spürbar mehr als 1’000 cfm beziehungsweise rund 1’700 m3/h bei 0,4 inH2O liefern. Dass viele Hersteller bei 0 Pa plötzlich mit 2’000 cfm und mehr wedeln, ist schön für die Verpackung – für den Camaro im Hitzestau aber nur bedingt beeindruckend.

Teileliste

Der Teilebedarf ist als Vorschlag und Idee zu verstehen. Selbstverständlich können die Teile individuell gewählt und angepasst werden.

  • Elektrischer Lüfter >1‘000 cfm oder 1’700 m3/h
  • Anschaltset bestehend aus:
    • BiMetall oder 20 A Sicherungshalter oder Abgang
    • Relais
    • Temperaturfühler
  • verschieden farbige KFZ-Leitung 1,5 und 2,5 mm2
  • Diverse Pressverbinder 1,5 und 2,5 mm2
  • Diverses Befestigungsmaterial

Realisierung

Der Temperaturfühler lässt sich grundsätzlich an mehreren sinnvollen Stellen unterbringen. Klassisch ist die Montage in einer vorhandenen Gewindebohrung der Ansaugbrücke – bei Bedarf mit passender Reduzierung oder es bietet sich der seitliche Einbau direkt im Motorblock an, typischerweise zwischen Zylinder 1 und 3 oder 6 und 8.

Die Schaltpunkte des Fühlers liegen typischerweise bei etwa 85 °C für das Einschalten und rund 80 °C für das Abschalten des Lüfters.

Es existieren zwar auch einfachere Lösungen wie Anlege- oder Einsteckfühler am Kühler, diese sind (nach meiner Meinung) jedoch eher als pragmatische Notlösung zu sehen. Sie messen nicht die tatsächliche Motortemperatur, sondern nur das, was am Kühler ankommt – und das ist thermisch bereits „auf dem Rückweg“. Der Fühler war zunächst bei mir auf der Ansaugbrücke montiert (siehe Fotos), ist inzwischen aber in den Motorblock zwischen Zylinder 1 und 3 gewandert. Die Messung ist dort direkter und weniger von äußeren Einflüssen geprägt.

Elektrisch wird der Fühler über ein Relais angebunden. Die Steuerspannung für Relais und Temperaturfühler wird von der ACC-Fahne im originalen Sicherungskasten abgenommen. Durch den Anschluss am ACC wird der Abgang beim Starten weggeschaltet, so dass die Leistung der Batterie ausschließlich dem Startvorgang zur Verfügung steht.

Das Relais mit ggf. inklusive Leistungsabsicherung lässt sich am Innenkotflügel in Batterienähe oder alternativ im Innenraum unterbringen. In meinem Fall kommt die Versorgungsspannung des Ventilators vom Sicherungskasten im Innenraum.

Eine saubere, fachgerechte Leitungsverlegung ist dabei keine Option, sondern Voraussetzung.

Wird der mechanische Blechlüfter entfernt, bleiben die originalen Befestigungsschrauben der Wasserpumpen-Riemenscheibe erhalten. Da der Propeller als Distanzstück entfällt, müssen entsprechende Unterlegscheiben eingesetzt werden, um die ursprüngliche Einbaulage auszugleichen.

Für die Montage des Elektrolüfters gibt es zwei gängige Varianten: Entweder über durchgesteckte, federbelastete Kunststoffstreifen direkt durch den Kühler oder über stabile Metallhalterungen am Kühlerrahmen. Ich habe mich für die Kunststoffstreifen entschieden, wodurch der Lüfter direkt auf dem Kühler sitzt. Funktional ist das völlig ausreichend, auch wenn es konstruktiv nicht die eleganteste Lösung ist. Allerdings gibt es auch hier wieder Lösungen, bei denen der Ventilator in einer vollflächigen Zarge auf den Kühler aufgesetzt wird.

Ein entscheidender Punkt beim Lüfterkauf ist die Laufrichtung. Es gibt saugende (Puller) und drückende (Pusher) Varianten. Davon hängt ab, ob der Lüfter vor oder hinter dem Kühler montiert wird. Im klassischen Aufbau sitzt der Lüfter hinter dem Kühler und saugt die Luft durch das Netz – alles andere funktioniert zwar auch, sollte aber bewusst gewählt werden und nicht aus Versehen entstehen.

Anmerkungen

  1. cfm oder CFM steht für Cubic Feet per Minute – also Kubikfuß pro Minute – und beschreibt den Volumenstrom von Luft, der pro Minute bewegt wird. Diese Angabe ist in den USA Standard, während im europäischen Raum üblicherweise m3/h (Kubikmeter pro Stunde) verwendet wird.
    Die Umrechnung lautet: 1 cfm = 1,699 m³/h oder umgekehrt 1 m3/h = 0,588 cfm
    Beispiel: Ein Lüfter mit 2’000 cfm fördert rund: 2’000 × 1,699 = 3’398 m3/h. ↩︎
  2. inH2O bedeutet inch of water column (Zoll Wassersäule) und ist eine Maßeinheit für statischen Druck – also den Druck, den ein Luftstrom aufbaut oder überwinden muss. Sie wird häufig bei Lüftern und Kühlern verwendet, um den Strömungswiderstand anzugeben.
    1 inH2O entspricht dem Druck einer 1 Zoll hohen Wassersäule und lässt sich in Pascal (Pa) umrechnen über: 1 inH2O = 249,0889 Pa oder gerundet: 1 inH2O ≈ 249 Pa
    Beispiel: Ein Lüfter, der 0,5 inH2O statischen Druck aufbauen kann, erzeugt etwa 0,5 × 249 = 125 Pa.
    Diese Druckdifferenz beschreibt, wie stark der Lüfter gegen den Widerstand des Kühlerpakets „anblasen“ kann. ↩︎