Chevrolet Camaro

die 1. Generation

Seine Geschichte

Von der Herstellung bis nach Deutschland

Veröffentlicht am 24. April 2020
Aktualisiert am 1. September 2026

Herstellung und Auslieferung

Woher kommst du

Der Camaro wird bei Fisher Body, einer General Motors Tochter, in Norwood/Ohio (GPS: 39°09’40.9″N 84°27’00.5″W bzw. N 39.161356, W -84.450133) gebaut.

Laut Cowl Tag wird der Wagen in der 4. Februarwoche 1969 montiert. Nach Fertigstellung bekommt er seine Fahrgestellnummer. Diese endet auf „614###“ was darauf deutet, dass er Mitte März fertiggestellt wurde. Im März 1969 lauteten die Seriennummern 607165 bis 623587.

Das GM Werk in Norwood (ca. 1970)

In den beiden folgenden Luftaufnahmen (Links ca. 1970, Rechts ca. 2020) habe ich gleiche Orte markiert. Das Werk im grünen Rahmen hatte früher selbst ein Kraftwerk. Es ist erstaunlich, dass in den USA nicht genutzte Flächen/Industriebrachen komplett umgenutzt werden. Wenn ich denke, wie viele Jahre das in Deutschland dauert.

Das letzte Fahrzeug verließ das Werk am 26. August 1987. Danach wurde es geschlossen und ist heute fast vollständig zurückgebaut. Wie auf dem obigen Bild zu sehen, sind auf der Fläche neue Gebäude entstanden. Es hat sich Gewerbe und kleine Industrie angesiedelt.

Die NCRS – National Corvette Restorers Society

Laut dem nachfolgend gezeigten Shipping Data Report der National Corvette Restorers Society (NCRS) wurde der Camaro am 14. März 1969 fertiggestellt.

Shipping Data Report

Wie hast du ausgesehen

Folgende Fotos zeigen ein vergleichbares Fahrzeug. Unterschiede sind im Detail. Der Cooper hat eine Z21-Ausstattung. Das bedeutet, er wurde mit einer Chromleiste am Dach und um die Radkästen ausgeliefert. Außerdem hat er die Haifischkiemen vor den hinteren Radkästen. Abweichend zum Innenraum hat Cooper keinen Drehzahlmesser, es fehlt die Uhr und über dem Handschuhfach fehlt ihm der Handgriff. Auch die kleinen Instrumente auf der Mittelkonsole sind nicht vorhanden.

Wohin gehst du

Der Wagen wurde von Norwood an die Ostküste der San Francisco Bay transportiert. Durch den Chevrolet-Händler East Bay Chevrolet Company erfolgte die Auslieferung an den ersten Käufer. Die Händlernummer lautet 212 in der Region 6. Damit hat er bei der Auslieferung ein California Black Plate bekommen.

Mit den Nummern finde ich die Adresse des Händlers heraus. Dieser war in 916 San Pablo Avenue in Albany, einer Kleinstadt nahe San Francisco, ansässig.

Da es in den USA unzählige Chevrolet-Händler gibt, kann man annehmen, dass der erste Käufer auch in unmittelbarer Nähe gewohnt hat. Allein in Albany sind in dieser Zeit mindestens fünf Händler niedergelassen. Da macht es keinen Sinn viele Kilometer zu fahren, um irgendwo ein Fahrzeug zu kaufen.

Infos zum Händler sind auf der Seite „Der Chevrolet Händler“ zu lesen.

Station in den USA

Radio aus Gridley

Beim Erneuern und Gängigmachen der Fussraumbelüftung finde ich hinter der Verkleidung auf der Beifahrerseite ein Mäusenest. Zum Glück verlassen. Da ich annehme, dass die Maus nicht über mehrere Kilometer die Papierschnipsel zusammenträgt, sollten der Besitzer mit seinem Müll, dem Auto und der Maus in naher Gemeinschaft gelebt haben.

In der Dämmung für das Nest ist eine alte Rechnung kleingerupft. Diese puzzle ich zuhause zusammen.

Es ist noch zu erkennen, dass die Rechnung von Radio Shack am 3. Juni 1988 ausgestellt wurde. Ganz genau von Radio Mart Electronics. Unterhalb des Händlernamens steht noch „15 ….. GHWAY“ und zwei Zahlenbögen (also 0, 2, 3, 6, 8, 9). Weiter kann man „GRI“ erkennen und weiter unten eine Zahl, die sich leicht als Postleitzahl „95948“ erkennen lässt.

Im Internet lässt sich aus den Resten ermitteln, dass der Shop in Nummer 1562 am State Highway 99 in 95948 Gridley ansässig war. Heute ist auch der nicht mehr und es sieht jetzt so aus. Bin bei den Nummern nicht so bewandert, aber in den Gebäude ist jetzt O’Reilly Auto Parts. Gekauft wurde ein AM/FM-Kasetten-Radio für 99,95 USD zuzüglich Steuer von 6 USD also in Summe 105,95 USD. Vielleicht war das auch für den Camaro gedacht.

Auf der linken Katalogseite der folgenden Bilder ist ein Radio für 99,95 abgebildet. Vielleicht handelte es sich gar um dieses Modell.

Jetzt greifen wir der Geschichte kurz vor und wissen, dass David Cooper im Jahr 2007 im Auto Center am Highway 99 in Yuba City, also nur 30 km weiter arbeitete.

Reserverad

Der Cooper kam mit einem alten Reserverad in Europa an. Es handelte sich dabei um Michelin Roadhandler Plus in den Dimensionen P205/70 R14 93S. Der Reifen ist ein M+S, also Winterreifen und wird als typischer Oldtimerreifen mit weißem Streifen auf der Seitenwand eingesetzt.

Da die Dimension der Felge mit 14″ nicht mehr über die Scheibenbremsen passen, hab ich das Rad ausgeladen und in die Garage gestellt. Irgendwann wollte ich mal wissen, wann der Reifen hergestellt wurde. So habe ich mir die DOT-Nummer (DOT = Department of Transportation) angesehen.

Die DOT lautet M3A6 21 PX 431◂. Damit kann man schon einiges anfangen. Schlüsseln wir das Wesentliche mal auf:

  • M3 – steht für Michelin North America Inc. in Greenville, South Carolina, also kein europäischer Reifen. Dieser ist ein Code, der von der US-Behörde NHTSA zugewiesen wird und benennt den genauen Produktionsstandort.
  • A6 – Größen- und Konstruktionscode. Dieser Code variiert je nach Hersteller und beschreibt die genaue Spezifikation und Bauweise des Reifens. Bei Michelin kann der Code spezifische Informationen zur Größe oder zum Reifenprofil enthalten.
  • 21 PX – Interner Herstellercode. Michelin und andere Hersteller verwenden diese Codes, um interne Details des Reifens zu kennzeichnen. Diese Informationen umfassen oft das spezifische Modell und möglicherweise Variationen in der Gummimischung oder dem Design, die für den Reifen gelten. Diese Codes sind nicht öffentlich standardisiert.
  • 431◂ – bedeutet 43. Kalenderwoche in 1991

Es kann davon ausgegangen werden, dass der Besitzer einen kompletten Satz im Winter 1991/1992 aufgezogen hat. Da das Radio 1988 gekauft und sicherlich auch verbaut wurde, wird der Wagen Anfang der 1990er noch oder wieder bewegt worden sein. Da war er auch erst gut 20 Jahre alt.

Wir nehmen also an, dass der Camaro neue Reifen bekommen hat, welche in der letzten Oktoberwoche 1991 produziert wurden.

Auf den ebay-Fotos von den Coopers sowie den Fotos der American Collectables sind Cooper Cobra Reifen zu erkennen. Das bedeutet, dass Mr. Cooper dem Camaro neue Reifen spendiert und einen „guten“ 20 Jahre alten als Reserverad in den Kofferraum gelegt hat.

Ich nehme an, dass der Camaro dann irgendwann Ende der 90er stillgelegt wurde. Zwischen Reifen (1991) und Coopers-Auferstehung (2011) liegen wieder 20 Jahre. Die in allen Hohlräumen zu findenden Walnussschalen zeugen von einer langen Standzeit ebenfalls davon.

Auch die sehr verblassten Farben auf den Oberflächen, z. B. unter dem nachgerüsteten Heckspoiler verstärken den Eindruck.

Hinweis zu den DOT-Nummern der Reifen

  • DOT ist vierstellig: Herstellung nach 2000, z. B. 2503 = 25. KW 2003
  • DOT ist dreistellig mit Dreieck (◂) dahinter: Herstellung in den 1990er, z. b. 253◂ = 25. KW 1993 (Goodyear und andere nutzten das Dreieck nicht)
  • DOT ist dreistellig ohne Dreieck: Herstellung in den 1980er, z. B. 253 = 25. KW 1983
  • keine DOT vorhanden: Herstellung vor 1980

Lebensweg

Wenn ich die bisher bekannten Stationen des Wagens mal auf einer Karte eintrage, ergibt sich folgendes:

Zwischen Auslieferung (Roter Pfeil) und Radiokauf (Blauer Pfeil) liegen 19 Jahre und gut 200 km. Der Radioshop liegt 24 Jahre und nur rund 30 km vom letzten Besitzer (Grüner Pfeil) entfernt. Alle Orte befinden sich in Kalifornien.

Die letzte Besitzerin in den USA

Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass der Wagen zuletzt einer Cecelia Rena Cooper in Kalifornien gehört hat und im Sommer 2016 nach Europa sprich Holland exportiert wurde.

Das abgebildete kalifornische „Certificate of Title“ ist das offizielle Dokument, das den rechtmäßigen Eigentümer eines Fahrzeugs ausweist. Es enthält verschiedene Felder mit spezifischen Informationen.

Der abgebildete Title wird u. a. verwendet, wenn das Fahrzeug verkauft werden soll. Cooper Cecelia Rena ist die Eigentümerin und will das Fahrzeug 2016 weitergeben, der Käufer wird aber nicht genannt.

Nur mit diesem Title kann das Fahrzeug verkauft und/oder aus den USA ausgeführt werden. Der Title enthält auch die Information, ob das Fahrzeug zum Beispiel als Versicherungstotalschaden, das wäre „SALVAGE“, abgeschrieben wurde.

Hier eine Übersicht der Felder und deren Bedeutungen:

  1. VEHICLE ID NUMBER (VIN): Eindeutige Nummer zur Identifizierung des Fahrzeugs, hier 124379N614… .
  2. YR MODEL: Modelljahr des Fahrzeugs, hier 1969.
  3. MAKE: Hersteller des Fahrzeugs, hier CHE für Chevrolet.
  4. PLATE NUMBER: Aktuelles amtliches Kennzeichen des Fahrzeugs, hier 6WML844.
  5. BODY TYPE MODEL: Karosserieform des Fahrzeugs, hier CP für Coupe.
  6. FUEL: Treibstoffart, hier G für Gasoline = Benzin
  7. REGISTRATION EXPIRATION DATE: Ablaufdatum der Anmeldung, hier 12/08/2012 = 8. Dezember 2012. Danach durfte der Camaro nicht mehr gefahren werden.
  8. CLASS: AH ist ein Gebühren-/Bewertungscode.
  9. *YR: Jahr der letzten VLF-Reklassifizierung, hier 2011.
  10. MO: mit XS lässt sich nicht entschlüsseln
  11. ISSUE DATE: Ausstellungsdatum des Titels, hier 05/18/2016 = 18. Mai 2016.
  12. REGISTERED OWNER: Name und Adresse des eingetragenen Eigentümers, hier Cooper Cecelia Rena.

Nummer 9 sagt, dass die Coopers den Camaro wahrscheinlich 2011 gekauft und restauriert haben. Die Registrierung, also gleich Zulassung ist aber bereits am 8. Dezember 2012 abgelaufen und wurde danach nicht erneuert.

Als handschriftliche Unterschrift lese ich Cecelie René Cooper.


Bei der Recherche im Internet finde ich ein Interview von 2007 in dem sich David Cooper vorstellt.

Appeal Democrat

(der Link ist Stand 2025 aus der EU nicht erreichbar)

9. Februar 2007

Andy Arrenquin/Appeal-Democrat
David Cooper of the State Highway 99 Auto Center has raced in the NHRA for about 25 years.

Die interessantesten Informationen seines Interviews sind:

  • Seine Familie: Frau Rena; die drei Söhne Michael, Brian und Todd sowie die Tochter Jennifer
  • Frage: Wenn Sie irgendein Auto aus irgendeinem Jahr haben könnten, welches wäre es?
  • Antwort: Ein 1969 Chevy Camaro (5 Jahre später war es soweit)

Das AutoCenter konnte ich nicht mehr ausfindmachen.


Über die Fahrgestellnummer finde ich eine alte ebay-Auktion, bei der es sich um meinen Camaro handelt.

Inhalt der Beschreibung: 1969 Camaro. Dieses Auto wurde vor 4 Jahren für meine Frau restauriert. Es wurde weniger als 50 Meilen gefahren seit ich es für sie fertiggemacht habe, es stand die ganze Zeit nur in der Garage mit einer Abdeckung. Das Auto hat eine neue Haube, Front- und Heckspoiler. Alle anderen Metallteile sind original. Das Auto hat einen neuen Basislack und Klarlack, neue Reifen, komplette Innenausstattung von Cool Customs, neuer Dachhimmel, neues Radio. Alles neuer Chrome an der Außenseite des Autos, Stoßstangen, Schlösser, Griffe, Spiegel, Embleme, Blenden, Spitzen, Fensterschächte, neuer Grill, neue Stoßdämpfer, Stahl-Speichen-Lenkrad, Konsole, neues Kennwood Stereo-CD-Radio, neue Lautsprecher. Alles ist frisch und durchgesehen und bereit zum Fahren, Servolenkung, original 14“ Rallye Räder, überholter 307 Motor. Dies ist ein sehr schönes Auto, welches wir nur nicht nutzen. Meine Frau hat entschieden, dass sie mehr ein Hausboot als einen Camaro haben möchte. Dieses Auto ist zum Verkauf bepreist. Irgendwelche Fragen, ruft Dave an…

Ergänzung des Verkäufers: Das Fahrzeug kommt mit dem originalen kalifornischen schwarzen Kennzeichen und Handbuch

Im Hintergrund ist das Haus der Coopers zu sehen. Dank Google StreetView kann man das schön vergleichen. Hier muss man wissen, dass in Kalifornien die Fahrzeuge das Kennzeichen ein Leben lang behalten, wenn sie im Bundesstaat bleiben. Die schwarzen mit gelber Schrift wurden bis 1970 benutzt, dann kamen blaue mit gelben Buchstaben. Der Camaro war also seit seiner ersten Zulassung in Kalifornien.

Allerdings passt die Angabe „6MWL844“ des Title nicht zu einem „Black Plate“. Das „Black Plate“ hatte nur 6 Stellen und eine andere Nummer und wird den Käufern gern als „Echtheitszertifikat“ für originale Fahrzeuge aus dem Sunshine Staate mitgegeben.

Die „6“ als führende Zahl gab es bei (Neu)-Zulassungen von >4 Jahren abgemeldeter Fahrzeuge ab 2011. Die Coopers hatten den Wagen nur für ein Jahr bis zum 8. Dezember 2012 (s. o.) zugelassen. Dabei hat der Cooper dann eine neue „6“er Nummer bekommen.

Der Wagen stand dann also abgemeldet von 2012 bis 2016 wieder mal rum.

Ebay-Anzeige

Das Höchstgebot wird mit US$ 24.656 angegeben. Das entspricht in etwa dem angegebenen Verzollungswert. Den ehemaligen Besitzer schreibe ich über ebay an und bitte um Kontaktaufnahme. Leider antwortet er nicht.


Im Inserat schreibt Mr. Cooper, dass die Inneneinrichtung durch Cool Customs eingebaut wurde. Dabei handelt es sich um ein kleines Unternehmen, welches sich auf die individuelle Innenausstattung von Fahrzeugen spezialisiert hat und diese nach Kundenwünschen anpasst. Sitz ist in 598 Garden Highway 16, Yuba City, CA 95991, USA, also nur wenige Kilometer vom Wohnsitz der Coopers entfernt.

Darüber hinaus haben wir Autoschlüssel bekommen. Diese sind bei einem Schlüsseldienst ähnlich unserem Mister Minit angefertigt worden. Die Firma The Key Pedaler ist eine Kette und eine Filiale war ebenfalls in der 455 N Palora Avenue, Yuba City, CA 95991 also auch nicht weit von den Coopers entfernt.

Alle Orte mal auf einer Karte:

Marysville
Coopers Karte, oberer Pin ist der Wohnort, links unten der Key Pedaler und rechts unten Cool Customs

Der Camaro wurde am 18.05.2016 verkauft. Am 23.06.2016 wird er dann im Hafen von Oakland/Kalifornien von den Zollbehörden für den Export freigegeben. Der Camaro könnte u. U. auf seinem Weg nach Deutschland sogar durch den Panamakanal gefahren sein.

Der Lochdruck auf dem Titel sagt folgendes:

VEH EXPORTVehicle Export
(dt. Fahrzeug Ausfuhr)
+6-23-1623. Juni 2016
CBP OaklandCBP = Costums and Border Protection Oakland
(dt. Zoll- und Grenzschutz)
Rückseite vom Title
Rückseite vom Title

Europa

Einfuhr durch American Collectables

Der Import in die EU erfolgt durch American Collectables. Die Firma hat ihren Sitz im Latensteinseweg 2, 4005 EG Tiel, Niederlande. Sie ist spezialisiert auf den eigenen Kauf von Fahrzeugen in Kalifornien, Oregon, Montana und Nevada.

American Collectables hat den Camaro gekauft und dann importiert. Da der Händler auch einen unscheinbaren Verkaufsraum hat, wurde der Wagen dort angeboten.

In der Hoffnung weitere Informationen zu bekommen, suche ich im Internet die Telefonnummer von American Collectables heraus.

20.05.2019

Ich rufe an und telefoniere eine gute halbe Stunde mit Dennis van Lith, dem Chef und Inhaber der Firma. Er berichtet über seine Arbeit:

Dennis reist mehrmals im Jahr in die USA, besucht dort andere Händler und große Verkaufstage, auf denen Amerikaner ihre Fahrzeuge anbieten. Die Verkaufsflächen, wie Wiesen und Parkplätze, sind riesig, mit Hunderten von Fahrzeugen. Gute Autos sind schnell weg, also inspiziert er jedes Fahrzeug sorgfältig und kauft sie direkt an Ort und Stelle. Zudem geht er aktiv Tipps nach und fährt über das Land, um Fahrzeuge zu finden. Allerdings wird die Suche nach qualitativ hochwertigen Wagen immer schwieriger und teurer.

Oft verkauft er Fahrzeuge in den USA direkt an amerikanische Händler. Besonders Camaro und Chevelle sind auch in den USA gefragt und werden zu hohen Preisen gehandelt.

Dennis van Lith

Im Schnitt bringt er jedes Jahr 130 Fahrzeuge nach Europa. Wenn er ein gutes Fahrzeug findet und kauft, schickt er bereits erste Fotos an Händlerkollegen in Europa. So sind mache Fahrzeuge bereits weiterverkauft, noch bevor diese in Rotterdam ankommen. Dennis nutzt eigene Container, um die Fahrzeuge zu laden und zu verschiffen. Sobald die Container mit bis zu vier Fahrzeugen und Teilen voll sind, werden sie seefertig gemacht. Der gesamte Prozess zwischen dem Kauf und der Ankunft in der EU dauert zwischen vier und zwölf Wochen.

In seiner Werkstatt in den Niederlanden werden die Fahrzeuge erneut überprüft und dann weiterverkauft.

Er erinnert sich tatsächlich sofort und weiß, dass der Vorbesitzer in Yuba City lebt. Dennis war vor Ort, hat über eine Stunde mit dem Verkäufer gesprochen, den Wagen genau inspiziert und schließlich gekauft. Der Vorbesitzer hat den Camaro für über USD 10.000 restaurieren lassen und im Z/28-Stil umgestaltet. Dennis bestätigt, dass der Camaro eine erstklassige Karosserie hat, der Innenraum komplett neu ist und eine neue Motorhaube hat.

Er ist sich sicher, dass alle Unterlagen und Zubehör von ihm an den deutschen Händler weitergegeben wurden. Leider ist nicht mehr bekannt, wann und wo das Black Plate verloren gegangen ist.

Ankunft in Europa

Am 03.08.2016 werden die Zoll-/Einfuhrformalitäten in Holland abgewickelt. In der Zollbescheinigung wird der Fahrzeugwert mit 22.678 EUR angegeben. Das sollte der Kaufpreis in den USA sein. Wird der Wechselkurs von Februar bis August zu Grunde gelegt war der Kaufpreis in den USA rund USD 25.500.

Der deutsche Händler hat den Wagen hier gekauft und nach Deutschland überführen lassen.

Deutschland

Am 16.04.2017 wird er beim deutschen Händler der Classic Car Ranch mit einem Tachostand von 76’643 angeliefert.

Das Team um Michael haben bei Google Street View 360° Panoramen hochgeladen; auf denen steht der Cooper kurz vor der Übergabe an mich. Danach beginnt meine Geschichte mit dem Wagen.


Kilometerstand

Die genaue Gesamtlaufleistung des Fahrzeugs lässt sich heute nicht mehr sicher bestimmen. Der Camaro besitzt einen fünfstelligen Meilenzähler, der nach 99’999 Meilen wieder bei null beginnt. Als das Fahrzeug 2017 zu mir kam, zeigte der Tacho 76’643 Meilen (123’344 km) an. Damit kommen insbesondere zwei Möglichkeiten in Betracht: Tatsächlich etwa 76’600 Meilen oder – nach einem einmaligen Überlauf des Kilometerzählers – etwa 176’600 Meilen (284’000 km).

Eine einfache Berechnung über das gesamte Fahrzeugalter führt dabei in die Irre. Der Camaro wurde offensichtlich nicht über alle Jahrzehnte gleichmäßig genutzt. Für die Zeit ab etwa 2007 lässt sich sogar eine längere Phase mit praktisch keiner Fahrleistung rekonstruieren.

Der California Title weist für das Fahrzeug eine Neuklassifizierung im Jahr 2011 und ein damals neu vergebenes kalifornisches Kennzeichen aus. Die Registrierung lief am 8. Dezember 2012 ab und wurde anschließend offenbar nicht mehr verlängert. Nach den Angaben des damaligen Besitzers Dave Cooper wurde der Camaro 2011/2012 umfangreich für seine Frau restauriert. Neben Lackierung und Innenausstattung wurden zahlreiche Anbauteile erneuert und der 307-cui-Motor überholt. Cooper gab in seinem Verkaufsangebot von 2016 ausdrücklich an, dass das Fahrzeug seit Abschluss dieser Arbeiten weniger als 50 Meilen gefahren worden sei und ansonsten abgedeckt in der Garage gestanden habe.

Interessanterweise war nach Coopers Angaben auch das originale schwarze kalifornische Kennzeichen noch vorhanden. Bei der Wiederzulassung erhielt der Camaro dennoch ein neues Kennzeichen aus der damaligen 6er-Serie. Eine mögliche Erklärung ist eine längere Unterbrechung der California Registration: Fahrzeuge, die mehrere Jahre nicht registriert waren, konnten aus dem aktiven DMV-Datensatz verschwinden und mussten bei einer späteren Wiederzulassung neu erfasst werden.

Damit ist zumindest sicher, dass die geringe Fahrleistung der letzten Jahre vor dem Verkauf keine Hochrechnung auf das gesamte Fahrzeugleben erlaubt. Entscheidend ist vielmehr die Nutzung in den Jahrzehnten davor. Hier liegen einzelne historische Spuren vor: 1988 wurde ein neues Radio eingebaut, 1991 wurden neue Reifen gekauft und etwa zu dieser Zeit wurde auch die Windschutzscheibe ersetzt. Das Fahrzeug wurde also noch mehr als zwanzig Jahre nach seiner Herstellung unterhalten und offenbar genutzt.

Historische Statistiken nennen für amerikanische Fahrzeuge erheblich höhere durchschnittliche Fahrleistungen als diejenige, die sich aus nur 76’000 Meilen über mehrere Jahrzehnte ergeben würde. Häufig werden Größenordnungen um 9’000 Meilen pro Jahr genannt; andere Untersuchungen zeigen ebenfalls eine zunehmende tägliche Fahrleistung amerikanischer Autofahrer während der 1970er- und 1980er-Jahre. Solche Durchschnittswerte lassen sich allerdings nicht unmittelbar auf einen einzelnen Camaro übertragen. Ein Fahrzeug kann bereits früh zum Zweit- oder Freizeitwagen geworden sein und dadurch weit unter dem Durchschnitt gelegen haben.

Unterstellt man eine regelmäßige Nutzung von 1969 bis in die 1970er- und 1980er-Jahre und anschließend eine mit zunehmendem Fahrzeugalter immer geringer werdende Jahresfahrleistung, sind rund 176’000 Meilen bzw. 284’000 km sehr gut plausibel. Dafür wäre lediglich ein einziger Durchlauf des fünfstelligen Meilenzählers erforderlich. Selbst bei 176’000 Meilen wäre die durchschnittliche Fahrleistung über mehrere Jahrzehnte noch vergleichsweise gering.

Auch 76’000 tatsächliche Meilen bzw. rund 123’000 km können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Dafür müsste der Camaro bereits relativ früh deutlich weniger als ein durchschnittliches amerikanisches Alltagsfahrzeug gefahren worden sein oder weitere längere Stillstandszeiten gehabt haben. Dafür fehlen bislang ebenso die Belege wie für einen Überlauf des Meilenzählers.

Bemerkenswert ist außerdem, dass Cooper in seinem ausführlichen Verkaufsangebot zwar die weniger als 50 Meilen seit der Restaurierung ausdrücklich hervorhob, die angezeigten rund 74’000 Meilen jedoch offenbar nicht als „original miles“ oder nachweisbare Gesamtlaufleistung bezeichnete. Auch der California Title von 2016 enthält keinen eingetragenen Odometerstand. Einen belastbaren Nachweis für nur 74’000 bzw. 76’000 Originalmeilen gibt es daher nicht.

Nach dem heutigen Kenntnisstand halte ich eine tatsächliche Laufleistung von rund 176’000 Meilen (ca. 284’000 km) für wahrscheinlicher als nur 76’000 Meilen (ca. 123’000 km). Beweisen lässt sich jedoch keine der beiden Varianten.