Kaufberatung

Veröffentlicht am 10. September 2022
Aktualisiert am 1. Oktober 2022

Allgemeines

Auf dieser Seite gebe ich den Kaufwilligen ein paar Tipps für die Besichtigung eines Camaros, insbesondere des 1969 Baujahrs. Die Anleitung kann auch zum Bewerten von Fotos dienen.

Auf die typischen Macken eines 50 Jahre alten Autos wie Rost oder andere Defekte gehe ich in dieser Kaufberatung nicht weiter ein, dazu eignen sich andere Seiten u. U. besser. Empfehlen würde ich für diesen Fall die Kaufberatung bei TRÄUME WAGEN, welche direkt für den Camaro gedacht ist. Auch allgemeine Oldtimer-Kaufberatungen sind sehr gut geeignet, die große Suchmaschine hilft. Sehr modellunabhängig und umfangreich ist die Kaufberatung der Oldtimer-Hobbywerkstatt.

Sehr hilfreich als Kompass, ist der von Motorbooks im Jahr 2001 veröffentlichte „Original Chevrolet Camaro 1967-1969 – The Restoration Guide“, welcher 2019 in neuer Auflage auf den Markt kam. Das Buch ist mein absoluter Favorit. Es ist jedoch kein Restaurationshandbuch, wie der Name vermuten lassen würde, sondern ein Wegweiser durch die Modelljahre und Varianten der 1. Generation; ISBN: 978-0-7603-6590-8. Einen groben Überblick gibt auf auf meinen Seiten zu den einzelnen Modelljahren (1967, 1968 und 1969).

Im Buch wird sehr gut dargestellt, wie die Versionen und Ausstattungsdetails aussahen und was die Unterschiede waren.

Ziel der Kaufberatung

Mir geht es hier um die Vollständigkeit des Wagens, Originalität vs. Umbauten und das Vorhandensein der korrekten zum Modell passenden Komponenten. Die Aufteilung erfolgt sinnvoll nach Karosserie, Innen- und Motorraum sowie Unterboden bzw. Fahrwerk. Dabei muss natürlich jeder für sich entschieden haben, was er möchte und toleriert. Auch ich habe an meinem Wagen Änderungen und Umbauten vorgenommen, die einem zukünftigen Käufer vielleicht nicht gefallen. Das Rückrüsten bzw. Herstellen in den Originalzustand kostet Geld. Die Verfügbarkeit von Teilen ist nicht das Problem, die Preise in den USA sind auch moderat – im Vergleich zu Mercedes und Co. sogar recht günstig – aber es kommen Transport und Einfuhrabgaben hinzu. Ausführlicher habe ich das auf der Seite Teilebeschaffung beschrieben.

Ich verfolge gelegentlich die Angebote auf Onlineplattformen sowie einiger Händler in Deutschland und Übersee. Insbesondere natürlich für den 1969er. Die eine oder andere Plattform und den einen oder anderen Händler liste ich auf meiner Seite Marktlage.

Mir fallen auf den Fotos immer wieder nicht zusammenpassende Details oder Fehlteile auf. Manches ist unwichtig, anderes zieht zur Herrichtung hohe Kosten nach sich.

Meine Kaufberatung eignet sich daher am Besten in Kombination mit einer typischen Oldtimer-Kaufberatung wie weiter oben erwähnt.

Im Folgenden möchte ich dies anhand von Fotos und Beschreibungen darstellen.

Vorbereitung

CowlTag / TrimTag

Alte Fahrzeuge haben neben der Fahrgestellnummer auch Blechmarken mit geprägten Angaben über Ausstattung und Farben. Heute findet man ähnliche Angaben auf Aufklebern z. B. im Kofferraum. Die Blechmarke bei den Amerikanern ist oberhalb des Hauptbremszylinders bzw. Bremskraftverstärkers an der Spritzwand im Motorraum zum Fahrgastraum, welches im Englischen „Cowl“ genannt wird, angebracht. „Tags“ sind Werte bzw. Angaben, daher „Cowl Tag“ oder auch „Trim Tag“. „Trim“ bedeutet Schnitt/Zuschnitt und steht in diesem Zusammenhang für Ausstattung. Das klärt, welche Innen- und Außenfarbe der Wagen ab Werk hatte, ob ein Vinyldach vorhanden war und die „X“-Nummern als Angabe ob z. B. RS oder SS.

Die Farb- und X-Codes habe ich auf meiner Seite „Farben und Formen“ aufgelistet.

Lasst euch vom Verkäufer auf jeden Fall das Foto der Cowl Tag schicken. Ein von der Camaro Research Group (kurz CRG) programmierter VIN-Dekoder, der unter Windows läuft, klärt viele Fragen zu dem Thema auf und ist für alle drei Modelljahre nutzbar. (Die Datei ist gezipt und ohne Installation lauffähig.)

Auch ein Foto der FahrzeugIdentifikationsNummer (FIN) – früher Fahrgestellnummer – oder engl. Vehicle Identification Number (VIN) sollte nicht fehlen. Beim 1969er ist diese als Blechmarke hinter der Windschutzscheibe auf der Fahrerseite im Armaturenbrett.

Aus der FIN geht, neben der Info Coupé oder Cabriolet die wichtige Info hervor, ob es sich um einen 6- oder 8-Zylinderwagen handelt. Darüber hinaus ist ein Teil der FIN auch auf dem Motorblock vorhanden. Die Zahl ist vorn auf dem Block Beifahrerseite eingeschlagen. Wenn beim Vergleich der letzten sechs Stellen der FIN und die letzten sechs Stellen auf dem Motorblock gleich sind, dann handelt es sich um den originalen Motor, weichen die Zahlen ab, ist der Block nicht mehr original. Die ersten beiden Ziffern geben dann an, ob es wenigstens ein Chevy-Block (= 1) ist und welches Baujahr (1969 = 9) er hat.

Cowl Tag

Da der Interessierte den Traumwagen nicht ums Eck findet, wird die Suche über ganz Deutschland oder ggf. sogar über das Ausland gedehnt. Bei der ersten Kontaktaufnahme (egal ob per Telefon oder Mail) mit dem Verkäufer ist es ratsam, eine Liste mit Fragen parat zu haben. In der Regel ist das Inserat nicht erschöpfend genug, um alle wichtigen Punkte zum Wagen zu klären. Ich hab da mal was vorbereitet!

Sollte ein Besichtigungstermin dann vereinbart werden, ist es unbedingt zu empfehlen, eine Checkliste für die Besichtigung des Kandidaten mitzunehmen. Ich hab auch da mal was vorbereitet!

Das man Rost sucht und die Technik auf Funktion prüft, sollte klar sein. Im Zweifel ist es immer angeraten, einen Fachkundigen mit zu nehmen. Entweder jemanden der sich auskennt oder einen echten Gutachter.

Zu einem Problem kann werden, dass man als der Kaufinteressierte eine rosarote Brille auf hat und Macken und Fehler abtut („Ja nu, geht schon“) und unterbewertet („Ist nicht so schlimm“). ALSO: Objektiv bleiben!


Los geht es

Karosserie

Im Grunde ist die Karosserie nicht das Problem, da kann man nicht viel falsch machen. Wichtig sind Rost- und Spachtelkontrolle. Bei der Karosse ist aber die Vollständigkeit und Richtigkeit der „Ausstattung“ entscheidend. Das geht von Emblemen zu Zierleisten, die selbstverständlich ausstattungs- und versionsabhängig variieren.

Nachfolgend das Beispiel für originale Basis-Camaros ohne Schnick-Schnack und im originalen Zustand:

  1. Keine Chrom-Spangen an der Seitenwand
  2. dann auch kein Chromrand an den Radkästen oder der Regenrinne
  3. keine senkrechten Streben in den Rückleuchten
  4. große Radkappen
  5. kein Heckspoiler
  1. Silberner Standardgrill und die Standardmotorhaube

Die Antenne auf der hinteren Seitenwand vom weißen Camaro ist nicht Standard, war so aber ab Werk bestellbar. Genauso wie das Vinyldach der beiden oben gezeigten, welches in verschiedenen Farben lieferbar war. Die „Bumperetts“, also die kurzen Chromspangen an der Heckstoßstange (rechts und links vom Kennzeichen) waren ebenfalls Option.

Dann die Luxusvariante von originalen SuperSport-Camaros:

SS/RS-Camaro

  1. SS-Symbole an den Kotflügeln und im Grill sowie
  2. die funktionslosen Luftauslässe auf der Haube
  3. 396 am Kotflügel passt zum Rest und deutet auf einen Big Block

SS-Camaro

  1. SS-Symbole an den Kotflügeln und im Grill sowie
  2. die funktionslosen Luftauslässe auf der Haube
  3. 396 am Kotflügel passt zum Rest und deutet auf einen Big Block

Sehr häufig wurden Z/28- oder SS-Logos nachgerüstet. Dann fehlen aber viele andere Merkmale am Fahrzeug. Die Motorhauben wurden ebenfalls gern getauscht. Sollte der Wagen die „Haifischkiemen“/Spangen vor den hinteren Radkästen haben, so gehören zu der Ausstattungsoption (RPO Z21) auch die Chromkanten der Radkästen, der Dachrinne und Streben in den Rückleuchten. Ein unauffälliges Detail sind Chromringe auf den Rahmen der Scheinwerfer beim nicht RS-Modell.

Folgend ein paar Fotos von unverfuschten originalen Camaros:

Fast jeder Camaro hat zwischenzeitlich einen Front- und Heckspoiler bekommen. Die waren als Extra bestellbar. Dann gehörte aber eine stärkere Heckklappenfeder mit dazu. Ansonsten fällt die geöffnete Klappe immer zu.

Ein besonders trauriges Exemplar ist folgender:


Innenraum

Der Innenraum ist im Regelfall nach 50 Jahren nicht mehr original. Die Nähte reißen, Teppiche sind durchgetreten, Kunststoffteile brechen. Also wird dieser irgendwann im Autoleben überholt, restauriert oder erneuert.

Auf Grund der Verfügbarkeit und Preisgestaltung, als auch dem Modegeschmack geschuldet, werden heute häufig schwarze Bezüge verwendet. Wenn komplett gewechselt wird, ist das okay – Original ist es dann nicht mehr. Meist werden die defekten Teile einfach weggelassen.

Für mich schwierig sind „Tuningmaßnahmen“ durch das Nachrüsten von Drehzahlmessern oder dem Aussägen der Instrumententafel. Wenn das zurück gerüstet werden soll, wird es sehr teuer.

Folgend ein Foto eines perfekten dunkelgrünen Interiors mit Automatikwählhebel auf der Mittelkonsole.

Nachfolgend ein paar Fotos von weiteren sehr schönen Innenräumen:

Schauen wir uns also an, was so alles zusammen gestrickt wurde. Es reicht von Kleinkram bei dem man schmunzeln kann bis hin zu Krachern, bei denen man mit dem Kopf schüttelt.


Motorraum

Im Internet kursieren sehr viele Fotos und natürlich auch Angebote von SS-Modellen und Z/28. Es gibt Massen an Fahrzeugen, welche von R6 auf V8 umgerüstet wurden. So gab es zum Beispiel nie einen „einfachen“ 427. Die Fahrzeuge waren dann COPO Camaros, auch ein 454 wurde nie in einem Camaro angeboten.

Sehr sehr häufig werden einfach die Logos gewechselt (siehe Abschnitt Karosserie). Ob man nun einen echten V8, SS oder gar Z/28 hat, klärt die o. g. CowlTag. Auf meiner Seite „Motorisierungen“ habe ich die Verkauftszahlen aufgelistet und gegenübergestellt.


Als erstes ein Bild von einem vorbildlichen Motorraum eines 396er Big Block Motors, der originalgetreu restauriert wurde.

  1. 396er Zeichen auf dem Luftfilter, wobei der originale Filter der schwarze geschlossene Topf war
  2. Heizungsschläuche gehen mittig in den Heizungskasten (Small Block weiter rechts)
  3. PTB sind die Stempel der Chevrolet-Qualitätssicherung
  4. Originale(getreue) Hupen
  5. Scheibenwaschanlage in Betrieb
  6. Originale Pole der Batterie

Rechts ein schöner Reihensechszylinder im originalen Zustand. Komplett und unverbastelt.

Bei einem „normalen“ 50 Jahre alten Auto wurde häufig soviel umgebaut, dass der Motorraum nicht mehr so aussieht. Durch Nachrüstungen oder Swapping des Motors stimmt hier vieles nicht mehr.

Folgend mal Fotos von verfuschten Motorräumen.


Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Es gab nie einen Z/28 mit Automatikgetriebe!

Ich hoffe, dass die Kaufberatung für den Chevrolet Camaro der 1. Generation ausreichend und verständlich ist. Inhaltlich werde ich nach und nach einiges ergänzen. Falls ihr Wünsche und Ideen hab, zögert nicht mir zu schreiben.

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