Chevrolet Camaro

die 1. Generation

Über mich

…und mein Weg zum Camaro

Veröffentlicht am 15. September 2019
Aktualisiert am 14. Juni 2026

Wer bin ich

Mein Name ist Marko, ich habe die 50 bereits mit etwas Abstand im Rückspiegel und interessiere mich — wenig überraschend — für alles, was Räder hat und Krach macht. Besonders angetan haben es mir dabei die US-Cars der 50er, 60er und frühen 70er Jahre, also genau die Zeit, in der Hubraum noch durch nichts zu ersetzen war, außer durch noch mehr Hubraum und 8 Zylinder der Status Quo war.

Meine Heimatstadt ist Magdeburg. Hier bin ich aufgewachsen, hier lebe ich — und wie es aussieht, bis zum unausweichlichen Ende. Nach der Schulzeit habe ich zunächst ganz bodenständig den anständigen Beruf des Elektrikers erlernt. Da ich nicht unbedingt arbeiten wollte, dachte ich: „Studier’ste einfach, man weiß ja nie, wofür es gut ist“. Die Ernüchterung kam im Anschluss: Weniger Arbeit hat man dadurch aber auch nicht, allerdings macht es mir Spaß.

Neben den sogenannten Daily Drivern hatte ich auch das Vergnügen, einen 2004 Jeep Wrangler Rubicon TJ mein Eigen zu nennen. Mit ihm habe ich diverse Offroadparks in Mitteldeutschland unsicher gemacht.

Bild: ChatGPT

Mein Herz schlägt jedoch ganz klar für den 1969 Chevrolet Camaro. Dieses Fahrzeug steht im Mittelpunkt dieser Seiten — und auch ganz weit oben auf meiner persönlichen Prioritätenliste, gleich nach meiner Familie.

Mein Wissen habe ich mir über die Jahre aus unzähligen Artikeln im deutsch- und englischsprachigen Raum sowie aus einem guten Dutzend Fachbüchern und Abhandlungen erarbeitet. Ich lese wahnsinnig viel im vorrangig englischsprachigem Internet.

Kurz gesagt: gefährliches Halbwissen ist nicht mein Ziel — eher das Gegenteil.

Wie kam ich zum Camaro

Die Geschichte begann 2010 nach meinen 40. Geburtstag: Der Wunsch, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen — einige nennen es „Midlife Crisis“ — wurde immer stärker. Ich kann mich noch daran erinnern, dass vor unserer „Platte“ ein silberner holländischer 2nd Gen Camaro (ein Modell aus den späten 1970er-Jahren) stand und daneben dann so unsere Wartburgs und Trabis. Von der Form, Größe und dem Klang war ich ungemein fasziniert.

Ich begann, nach einem Oldtimer zu suchen. Doch die Vernunft gewann zunächst die Oberhand. Fragen zu Unterhaltskosten, Ersatzteilversorgung und Reparaturen ließen das Projekt zu riskant erscheinen. Selbst die Überlegung, einen neuen Chevrolet Camaro von 2010 zu kaufen, wurde bald verworfen.

Ein Audi A6 wird in die Familie aufgenommen. Doch meine Begeisterung für außergewöhnliche Fahrzeuge lässt mich nicht los. 2013 kaufe ich einen Jeep Wrangler Rubicon TJ von 2004. Mit dem habe ich eine Menge Spaß im Gelände und stets ein Grinsen im Gesicht. Allerdings hatten die regelmäßigen Geländeeinsätze ihren Preis. Immer wieder standen Fahrwerksreparaturen an, die auf Dauer für Frust sorgten. Hinzu kam, dass ich mich damals noch nicht traute, selbst größere Arbeiten am Fahrzeug durchzuführen. Werkstattrechnungen und eine schmale Hobbykasse waren die Folge. 2015 trennte ich mich deshalb schweren Herzens wieder von dem Jeep – rückblickend betrachtet ein Stück weit selbstgemachtes Leid.

Ein hoher Jeep und ein schneller Audi werden 2015 zu unserem bisher besten Auto kombiniert: einem VW Touareg V8 TDI, der auch noch immer zur Familie gehört.

Damit war das Thema eigentlich auch schon zu Ende. Eigentlich… Oder doch nicht…,

…denn getrieben von der Überzeugung das Leben zu leben und zu genießen, beschließe ich 2016 endgültig, mir einen Oldtimer zu suchen.

Die Findungsphase

Es beginnt mit der Frage nach dem richtigen Modell. Ich ziehe US-Klassiker in die engere Wahl, Mercedes W111 und R/C 107, Porsche 911/912, BMW 3.0 CSi und andere Modelle der 60er- und 70er-Jahre.

Nach reichlich Recherche über Wochen und Monate ist die Zielgruppe die typischen Pony- oder Muscle-Cars mit einem Baujahr von Ende der 60er bis Anfang der 70er. Also Autos, die rund so alt sind wie ich. Im Vordergrund stehen natürlich Coupés mit Automatik, Servolenkung und Bremskraftverstärker. Weitere Details der Ausstattung sind mir dabei erstmal nicht so wichtig.

Meine Kandidaten sind in der Reihenfolge meines Interesses:

ModellVerfügbarkeitPreise
Chevrolet Camaro
1967–1969 ⤴️
wenigehoch
Chevrolet Chevelle
1970–1972 ⤴️
einigegünstig
Pontiac Firebird
1967–1968 ⤴️
wenigemoderat
Pontiac LeMans/Tempest
1966–1967 ⤴️
wenige moderat
Buick Rivera
1966–1967 ⤴️
seltenhoch
Ford Mustang
1967–1969 ⤴️
vielebillig
Mercury Cougar
1967–1970 ⤴️
einigemoderat
Dodge Challenger
1970–1971 ⤴️
seltenhoch

Die Suche

Im Rahmen dieser „Findungsphase“ schaute ich mir zahlreiche der zuvor genannten Modelle bei Händlern, privaten Verkäufern und auf Oldtimertreffen direkt vor Ort an. Zu ernsthaften Kaufverhandlungen kam es jedoch nie. Entweder war der aufgerufene Preis aus meiner Sicht zu hoch, der Zustand des Fahrzeugs entsprach nicht den Erwartungen oder das Fahrzeug wirkte in der Realität deutlich weniger überzeugend als auf den Fotos.

Hinzu kam, dass mir mehrfach interessante Fahrzeuge vor der Nase weggeschnappt wurden. Viermal erhielt ich die Nachricht, dass der Wagen bereits verkauft sei, bevor ich überhaupt die Gelegenheit zu einer Besichtigung hatte.

Mit zunehmender Recherche wurden neben dem Fahrzeug selbst auch andere Faktoren immer wichtiger. Eine entscheidende Rolle spielten die Verfügbarkeit der jeweiligen Modelle in Deutschland sowie die Ersatzteilversorgung. Gerade bei amerikanischen Fahrzeugen musste daher auch berücksichtigt werden, wie gut die Versorgung über Händler in Deutschland oder direkt aus den USA funktioniert.

Die Angebote

Die Suche nach dem passenden Fahrzeug entwickelt sich schnell zu einem festen Bestandteil des Alltags. Ich durchforste regelmäßig mobile.de, Händlerseiten sowie verschiedene Plattformen in Deutschland und den USA. Interessante Angebote werden gespeichert, verglichen und genauer analysiert. Mein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Fahrzeugen, die sich in einem Umkreis von etwa 300 km befinden und somit für eine Besichtigung erreichbar sind.

Viele Stunden verbringe ich am Telefon mit Händlern und privaten Verkäufern. Hinzu kommen E-Mails, WhatsApp-Nachrichten und die Bitte um zusätzliche Fotos oder Detailaufnahmen. Nicht selten zeigt sich erst bei genauerem Hinsehen, dass der tatsächliche Zustand eines Fahrzeugs nicht ganz den Erwartungen entspricht.

Im Dezember 2016 führt uns die Suche in die Region Minden. Dort besuchen wir zum einen BG Vintage Cars, wo ein Camaro von 1969 in Butternut Yellow angeboten wird, und zum anderen die Classic Car Ranch mit einer goldfarbenen Chevrolet Chevelle des Modelljahres 1971. Der Camaro ist zwar ein schönes Fahrzeug, entspricht aber nicht meiner Vorstellung. Die Chevelle hinterlässt einen guten Eindruck, weshalb wir sie uns im Januar noch einmal ansehen möchten. Dazu kommt es jedoch nicht mehr – das Fahrzeug ist inzwischen verkauft.

Ähnlich ergeht es uns in den folgenden Monaten. Ein roter Chevrolet Chevelle SS Clone von 1970 soll im März 2017 in Berlin besichtigt werden. Noch bevor der Termin zustande kommt, findet das Fahrzeug einen neuen Besitzer. Dasselbe passiert mit einem blauen Camaro von 1968, der in Braunschweig angeboten wird. So setzt sich die Suche fort: vielversprechende Inserate tauchen auf, Hoffnungen werden geweckt und nicht selten wieder enttäuscht. Doch mit jeder Besichtigung und jedem Gespräch wird das Bild vom gesuchten Traumwagen ein wenig klarer.

Der Treffer

Im Mai 2017 entdecke ich schließlich den Camaro, der meinen Vorstellungen am nächsten kommt. Angeboten wird er von der Classic Car Ranch ⤴️. Das Fahrzeug ist erst wenige Wochen zuvor, im April 2017, dort eingetroffen und wurde über einen Zwischenhändler in die EU importiert. Verantwortlich für den Import war American Collectables im niederländischen Tiel.

Auf der Internetseite der Classic Car Ranch sind rund 80 Fotos des Fahrzeugs veröffentlicht. Die Bildqualität ist zwar nicht überragend, reicht jedoch aus, um sich einen ersten Eindruck vom Zustand und der Ausstattung zu verschaffen.

Besonders interessant ist, dass der Wagen ausschließlich auf der eigenen Homepage angeboten wird und nicht auf den großen Fahrzeugbörsen wie mobile.de. Dadurch bleibt das Fahrzeug offenbar etwas länger verfügbar als viele andere interessante Angebote, die oft schon verkauft sind, bevor überhaupt ein Besichtigungstermin zustande kommt.

Im Inserat wird ein Chevrolet Camaro Z/28 des Modelljahres 1969 angeboten. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass das Fahrzeug vor der Auslieferung noch einen neuen Motor sowie verschiedene Performance-Upgrades erhalten soll. In einem Telefonat mit dem Händler Michael Rafflenbeul erfahre ich weitere Details. Neben dem neuen Motor sind unter anderem eine Umrüstung auf vordere Scheibenbremsen mit Bremskraftverstärker – bislang verfügt der Wagen noch über Trommelbremsen rundum – sowie zahlreiche weitere kleinere und größere Verbesserungen vorgesehen.

Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass aus der langen Suche tatsächlich etwas werden könnte.

Das Angebot ist widersprüchlich. Der Wagen besitzt einen 307er Motor (5,0 Liter) mit 200 Serien-HP, hat ein Automatikgetriebe und vorn Trommelbremsen.

Der Z/28 wurde von Chevrolet jedoch ausschließlich mit einem 290 HP starken 302 cui Motor (4,9 Liter), 4-Gang-Schaltgetriebe und Scheibenbremsen vorn ausgeliefert. Auf Nachfrage schickt mir Michael ein Foto der „Cowl Tag“.

Darauf steht:

X11

also definitiv kein Z/28,

also ein „Clone“ oder netter ausgedrückt „Tribute

Cowl Tag

Die Besichtigung

Im Sommer 2017 ist der Camaro schließlich so weit vorbereitet, dass wir zur Classic Car Ranch fahren und das Fahrzeug erstmals persönlich besichtigen können. Eine Probefahrt ist an diesem Tag leider nicht möglich, da das Wetter nicht mitspielt. Dafür bleibt ausreichend Zeit, das Auto in Ruhe anzusehen, Fragen zu stellen und einen möglichst umfassenden Eindruck zu gewinnen. Dabei zeigt sich schnell, dass zwar noch einige Arbeiten anstehen, diese sich jedoch überwiegend auf kosmetische Details und kleinere Funktionen im Innenraum, beispielsweise an den Fenstern, beschränken. Technisch macht der Camaro einen sehr guten Eindruck. Nach Aussage des Händlers wurde das Fahrzeug 2012 in den USA restauriert. Der damalige Besitzer soll dabei rund 10.000 US-Dollar investiert haben. Auch die Lackierung stammt aus dieser Restaurierung. Für amerikanische Verhältnisse ist die Ausführung durchaus ordentlich. Die schwarzen Zierstreifen sind lackiert und damit dauerhaft haltbar. Allerdings sind an einigen Stellen die Übergänge und Kanten sichtbar.

Mit einem kleinen Magneten kontrolliere ich die üblichen Verdachtsstellen der Karosserie auf übermäßigen Spachtelauftrag. Lediglich an den vorderen Kanten der hinteren Radläufe haftet der Magnet nicht. An allen anderen überprüften Bereichen zeigt sich keine Auffälligkeit, die auf größere Spachtelschichten oder umfangreiche Karosseriereparaturen hindeuten würde.

Mitte August bitte ich Michael schließlich, den Camaro für mich zu reservieren. Der Termin für die entscheidende Probefahrt steht bereits fest:

der 2. September 2017.

Probefahrt und Kauf

Der Wagen wird von der CCR bis dahin zum Fahren vorbereitet. Im Vorfeld erstelle ich eine Liste mit Punkten aus der ersten Besichtigung, die besprochen werden müssen. Wir fahren hin, das Wetter spielt auch mit. Der Wagen ist vorbereitet und hat schon die neuen Bremsen und den Bremskraftverstärker.

Wir machen eine kleine Probefahrt. Erst nur Michael, dann wechseln wir. Der Camaro sieht nicht so toll aus und fährt sich auch bescheiden. Die Bremsen sind eine Katastrophe, die Lenkung auch und die Vorderräder weich. Der Motor ist erbärmlich. Es ist eher ein Eiern, statt gezieltem Fahren.

Mich überzeugt das nicht, darum machen wir zum Vergleich eine Probefahrt mit einem 1969 Pontiac Firebird, welcher bereits überholt wurde.

Der Wagen fährt sich deutlich besser und erinnert an ein modernes Auto. Michael verspricht, dass sich der Camaro nach Abschluss der Arbeiten besser fahren wird, als der Firebird.

Wir einigen uns mit Michael auf einen All-Inclusive-Preis für den Wagen und unterschreiben die „Bestellung“.

Am 28. Oktober 2017 wird Cooper abgeholt.