Veröffentlicht am 5. Juni 2020
Aktualisiert am 5. April 2026
Allgemeines
Für die Zulassung in Deutschland müssen unter anderem die Scheinwerfer von US auf EU umgebaut werden. Heißt konkret: Die originalen „Sealed-Beam“-Scheinwerfer↗️ mit ihren 2-Fadenlampen dürfen in den Ruhestand, und moderne H4-Scheinwerfer ziehen ein. Fortschritt nennt man das – zumindest offiziell. Die Sealed-Beamer haben den Vorteil, dass über ihre Lebenszeit kein Vergang am Reflektor oder den Glaskolben der Lampen stattfindet.
Die neuen H4-Leuchtmittel bringen mit 50 W im Abblendlicht und 65 W im Fernlicht etwas mehr Leistung mit als die alten Kollegen (40 W bzw. 60 W). Klingt nach wenig, reicht aber, um die originale Elektrik dezent ins Schwitzen zu bringen. Damit Schalter und Leitungen nicht irgendwann aus Protest warm werden, empfiehlt sich der Einsatz von Relais im Lastkreis – sauber abgesichert, versteht sich.
Besonders „interessant“ ist die Absicherung bei Fahrzeugen dieser Epoche: Statt klassischer Schmelzsicherungen gibt es Bimetallsicherungen↗️ direkt im Lichtschalter. Die Idee dahinter ist charmant: Bei Überlast schaltet der Bimetall ab, kühlt ab und schaltet wieder ein. Und das Ganze wiederholt sich dann so lange, bis das Problem entweder behoben ist – oder der Fahrer nervlich aufgibt (s. weitere Beschreibung auch hier).
Hinweis aus der Praxis: Wenn die Scheinwerfer anfangen zu flackern oder im Takt zu blinken, ist das kein Feature, sondern der Lichtschalter in Höchstform. In diesem Fall sollte man dringend nach der Ursache suchen – meist ein durchgescheuerter Draht, eine lose Klemmstelle oder ein wackeliger Stecker. Der Bimetall macht dann genau das, wofür er gebaut wurde: abschalten, abkühlen, einschalten, abschalten… ein kleines elektrisches Déjà-vu, bis man das eigentliche Problem beseitigt hat.
Teilebedarf
Der Teilebedarf ist als Vorschlag und Idee zu verstehen. Selbstverständlich können die Teile individuell gewählt und angepasst werden.
- 1x KFZ-Relais 12 V, 20 A mit einem Schließer
- 1x Sicherungshalter 10 A
- 2 m KFZ-Leitung 1,5 mm2 GRÜN
- 2 m KFZ-Leitung 1,5 mm2 BRAUN
- 1 m KFZ-Leitung 1,5 mm2 ROT
- Diverse Pressverbinder 1,5 mm2
- Diverse Kabelschuhe 1,5 mm2
- Diverses Befestigungsmaterial



Durchführung
Zuerst studiere ich den Stromlaufplan. Der Lichtschalter schaltet beim Herausziehen von „Aus“ auf „Standlicht“ auf „Fahrlicht“. Drehen ist für die Helligkeit der Innenbeleuchtung bzw. zum direkten Anschalten selbiger. Der beste Punkt zum Zwischenschalten der Relais ist der Abgang vom Fernlichtschalter (folgend rechtes Foto) im Fahrerfußraum. Mit dem Fußschalter wird zwischen Abblend- und Fernlicht umgeschaltet.



Die Relais binde ich im oberen Bereich des Armaturenbretts hinter den Instrumenten an. Um die Relais anzuschließen, trenne ich am Fernlichtschalter die abgehenden Leitungen (grün und braun) zu den Scheinwerfern (s. folgende Fotos). Vom Schalter weg, nehme ich die Leitung als Ansteuerung für die Relais. Das Zwischenklemmen erfolgt mit entsprechenden Pressverbindern. „Stromdiebe“ bzw. Schneidklemmen sind tabu!
Von dort wieder zurück auf die anderen Enden der getrennten Leitungen. Zum Relais muss noch Plus (rot) und Masse (schwarz) von einer extra Sicherung. Hier reichen 10 A, der Leiterquerschnitt sollte 1,5 mm² betragen, Original liegt AWG 16.


Für „Elektriker“ nachfolgend ein Auszug des entsprechenden Abschnitts vom angepassten Stromlaufplan.

