
Allgemein
Kaum ein Thema wird bei klassischen US-Fahrzeugen so häufig diskutiert wie der Kraftstoffverbrauch. Besonders amerikanische V8-Fahrzeuge genießen den Ruf, Kraftstoff nahezu ungefiltert in Lärm und Vortrieb umzuwandeln. Aussagen wie „unter 20 Liter geht da nichts“ gehören beinahe schon zum Standardrepertoire jeder Oldtimerdiskussion.
Viel interessieren sich ja für die jährlich zurückgelegten Strecken und:
Fragen wie: „Was schluckt denn der so?“ oder „Frist wa?“,
bekommen Antworten wie: „Sprit!“ oder „Nie genug!“
Doch wie sieht die Realität aus?
Über mehrere Jahre hinweg habe ich bei meinem Camaro sämtliche Tankvorgänge aufgezeichnet. Dadurch ergibt sich ein recht interessantes Bild eines klassischen amerikanischen V8-Fahrzeugs im realen Saisonbetrieb – fernab theoretischer Prospektangaben oder Stammtischwerte.
Da die Fragen immer mal wieder kommen, referiere ich auf dieser Seite mal zu meiner statistischen Erhebung.
Das Fahrzeug
Beim Fahrzeug handelt es sich nicht mehr um den serienmäßigen 307-cui-Camaro. Der Motor wurde deutlich überarbeitet und technisch modernisiert. Verbaut sind unter anderem:
- Edelbrock Performer RPM Aluminium-Zylinderköpfe #6073
- Edelbrock Performer Plus Nockenwelle #2102
- Edelbrock Performer Ansaugbrücke #2101
- Edelbrock #1406 Vergaser
- MSD Street Fire HEI Zündverteiler #8362
- MSD Performance Iridium Zündkerzen
- Flowtech Fächerkrümmer
- Summit 2,5″ Doppelrohrauspuffanlage
Die Zündung arbeitet mit:
- 14° Frühzündung vor OT,
- Vacuum Advance am Manifold Vacuum,
- sowie einem Elektrodenabstand von 0,041″.
Das Gesamtsetup orientiert sich dabei weniger an maximaler Spitzenleistung, sondern eher an einem kräftigen, gut fahrbaren Straßenmotor mit hohem Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich.
Die Jahresfahrleistung
Da ich keinen Kilometerstand zum Jahresende festgehalten habe, kann die Fahrleistung nur aus den Tankstopps ermitteln und muss die fahrstarken Sommermonate und den Winterstillstand ausmitteln. Die Jahresfahrleistung habe ich dazu nicht einfach über die Differenz der Kilometerstände zum Jahresende berechnet, sondern die einzelnen Teilstrecken zeitanteilig auf die jeweiligen Kalenderjahre verteilt. Mein Camaro hat kein Saisonkennzeichen, wodurch ich tatsächlich auch im Dezember und Januar fahre, wenn die Straßen frei (auch Salzfrei) sind. Dadurch werden Wintermonate mit geringer Fahraktivität implizit geringer gewichtet.
Es ergibt sich folgendes Bild:
| Jahr | ca. Fahrleistung | Bemerkung |
|---|---|---|
| 2017 | 450 km | Kaum im Oktober, damit kurzes Jahr |
| 2018 | 2850 km | normales starkes Fahrjahr |
| 2019 | 3050 km | viel genutzt, weil läuft |
| 2020 | 2150 km | normaler Schnitt |
| 2021 | 550 km | Unfall + Werkstatt bis August |
| 2022 | 1750 km | durch Nacharbeiten beeinflusst |
| 2023 | 1250 km | Werkstatt + Lenkungsprobleme |
| 2024 | 2050 km | Rückkehr Richtung Normalbetrieb |
| 2025 | 2450 km | weitgehend normales Saisonjahr |
| 2026 (Stand Mai) | 1050 km | hochgerechnet ca. 2.300 km |
Als Fazit lässt sich als typisches Nutzungsprofil festhalten:
- klassischer Saisonbetrieb,
- Schönwetter-Nutzung, Schwerpunkt April bis Oktober,
- längere Ausfahrten statt Kurzstrecken,
- substanzschonende Oldtimer-Nutzung.
Der Verbrauch vor der Zündungsoptimierung
Der Verbrauch ist natürlich auch so eine Sache. Ja, er verbraucht. Vor der korrekten Abstimmung im Sommer 2019 lagen die Verbrauchswerte häufig im Bereich von:
- 18 bis über 23 Liter/100 km.
Der Durchschnitt lag ungefähr bei:
- rund 19 Liter/100 km.
Für einen getunten Small Block Chevrolet mit sportlicher Nockenwelle erscheint das zunächst nicht völlig unrealistisch. Dennoch fiel auf, dass:
- der Motor vergleichsweise träge wirkte,
- der Verbrauch stark schwankte,
- Fehlzündungen und schlechte Gasannahme,
- und die Fahrbarkeit im Teillastbereich nicht optimal war.
Rückblickend deutete vieles darauf hin, dass der Motor insbesondere im Cruise- und Teillastbetrieb zu wenig Frühzündung erhielt. Dadurch musste die Drosselklappe weiter geöffnet werden, was wiederum den Kraftstoffverbrauch deutlich erhöhte.
Da mich das nicht zufriedenstellte, habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt. Die Ergebnisse könnt ihr auf den Seiten Zündungseinstellung und Vergasereinstellung nachlesen.
Der Verbrauch nach der Optimierung
Nach der sauberen Abstimmung von:
- Grundzündung,
- mechanischer Frühverstellung,
- Vacuum Advance,
- sowie der gesamten Zündkurve,
- und Testen verschiedener Einstellungen des Vergasers,
änderte sich das Verhalten des Motors deutlich.
Die Verbrauchswerte stabilisierten sich anschließend überwiegend im Bereich von:
- 14 bis 16 Liter/100 km, selten darüber.
Als Ergebnis liegt mein Verbrauch irgendwo um 15 Liter/100 km. Es sind aber auch Strecken dabei, bei denen er sich nur knapp 13 Liter gönnt, über 16 Liter ist eher die Seltenheit.
Man muss aber berücksichtigen, dass der Motor getunt ist.
Warum die Zündung so entscheidend ist
Gerade klassische Small Block Chevrolet Motoren reagieren erstaunlich empfindlich auf die Zündabstimmung. Besonders Fahrzeuge mit:
- schärferer Nockenwelle,
- verbessertem Luftdurchsatz,
- Fächerkrümmern,
- und größerem Vergaser
benötigen häufig eine andere Zündcharakteristik als Serienmotoren.
Eine falsche oder zu konservative Abstimmung führt schnell dazu, dass:
- der Wirkungsgrad sinkt,
- die Verbrennung später stattfindet,
- der Motor heißer läuft,
- und deutlich mehr Kraftstoff benötigt wird.
Die heute verwendete Kombination aus:
- relativ hoher Initial Timing,
- Manifold Vacuum Advance,
- moderatem 600-cfm-Vergaser,
- und effizienter HEI-Zündung
passt dagegen sehr gut zum Charakter des Motors.
Fazit
Die über Jahre aufgezeichneten Werte zeigen recht deutlich, dass ein klassischer amerikanischer V8 nicht zwangsläufig ein „25-Liter-Monster“ sein muss.
Entscheidend sind:
- das tatsächliche Fahrprofil,
- die technische Abstimmung,
- die Zündkurve,
- und die Effizienz des Gesamtkonzeptes.
Der hier eingesetzte 307-cui-Small-Block kombiniert klassische amerikanische V8-Charakteristik mit vergleichsweise vernünftigen Verbrauchswerten. Trotz:
- Aluminiumköpfen,
- Fächerkrümmern,
- sportlicher Nockenwelle,
- und freier Abgasanlage
liegt der reale Verbrauch heute auf einem Niveau, das für einen 1969er Camaro durchaus alltagstauglich erscheint.
Natürlich bleibt ein klassischer Small Block Chevrolet kein Sparfahrzeug. Aber die Daten zeigen eindrucksvoll, dass eine saubere technische Abstimmung oft deutlich wichtiger ist als reine Hubraumdiskussionen.