Heizung überholen

Überholung/Restauration des Heizungskastens, Wechsel der Dichtungen, Ablauf der Arbeiten (Montageschritte)

Veröffentlicht am 30. Dezember 2019
Aktualisiert am 6. April 2026

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Allgemeines

Alte Autos haben die charmante Eigenschaft, dass sich die Natur langsam zurückmeldet – bevorzugt in Form von Korrosion. Davon bleiben auch die Metallteile der Heizung nicht verschont. Selbst die Frischluftzufuhr liefert nicht nur Sauerstoff, sondern gleich noch eine Portion Feuchtigkeit mit – ein ideales Klima für Rost, der sich über die Jahre gemütlich einrichtet. Parallel dazu verabschieden sich die Dichtungen im Heizungskasten still und leise in Richtung „biologischer Abbauzustand“.

Von außen macht der Heizungskasten noch einen ordentlichen Eindruck: schwarz lackiert und glänzend. Öffnet man ihn jedoch, blickt man auf ehrliches, blankes Metall – gewissermaßen die rustikale Innenausstattung, die mit den Jahren eher Patina als Schutz bietet.

Nach Jahrzehnten im Einsatz geben dann gern auch die Wärmetauscher ihren Geist auf und werden undicht. Das Resultat: Heizungswasser tritt aus, sammelt sich im Heizungskasten und sucht sich seinen Weg in den Fußraum. Beim amerikanischen Vorbesitzer wird das Problem oft pragmatisch gelöst – Heizungsschläuche abklemmen, Kreislauf an der Wasserpumpe kurzschließen, fertig. Funktioniert erstaunlich gut, solange man Heizung als optionales Zubehör betrachtet. Der Haken: Der Rost bleibt, und in unseren Breitengraden merkt man spätestens im Herbst, dass „oben ohne fahren“ im Innenraum keine Dauerlösung ist.

Die Reparatur ist nichts für Ungeduldige, aber auch kein Hexenwerk. Mit etwas Zeit, Werkzeug und einer gewissen Leidensfähigkeit lässt sich das Problem auch von einem ambitionierten Laien beheben.

Dauerhaft lösen lässt sich das Ganze nur durch den Ausbau des Heizungskastens – im Folgenden kurz beschrieben für eine Ausführung ohne Klimaanlage und in Kombination mit einem Small Block.

Aufbau der Heizung

Die Ansaugung bzw. der Zustrom der Heizungsluft erfolgt über das Gitter vor der Windschutzscheibe. Unter dem Gitter befindet sich ein Hohlraum, in dem auch die Wischermechanik montiert ist. Darunter befindet sich ein Kanal der rechts und links nach unten führt. Die strömende Luft kommt so auch an den seitlichen Lüftungsdüsen im Armaturenbrett an und sorgt u. a. für eine Belüftung der Seitenschweller, was auch der Korrosion vorbeugen soll (ob das klappt, na ja).

Am Ende der Seitenschweller sind übrigens „Gummilappen“. Wenn die verklemmt sind, stauen sich ein Teil des Regenwassers und Dreck (soviel zum Thema Korrosionsschutz).

Beifahrerseitig nach unten befindet sich der Ventilator für die Heizungsluft. Noch weiter runter befinden sich auf beiden Seiten die Fußraumbelüftungen, sofern man die „Astro Ventilation“ im Fahrzeug hat.

Klappen in der Heizung:

  1. Defrosterklappe (Defroster Door): Verteilung zwischen Frontscheibe und Fußraum
  2. Auf/Zu-Klappe (Air Door): geschlossen, gibt es weder warme noch kalte Luft
  3. Klappe zur Temperaturregelung (Temp Door): Vermischung der warmen und kalten Luft; Im Zuluftstrom die erste Klappe

Der Wärmetauscher wird übrigens immer vom Kühlwasser angeströmt und ist nicht „abschaltbar“.

Demontage

Als Erstes wird im Fahrzeuginneren der Stecker des Ventilatorwiderstandes abgezogen. Der Widerstand selbst befindet sich im Kasten und somit im Zustrom der kalten Luft. Er wird bei Verwendung ergo gekühlt.

Die Bowdenzüge für die Klappenverstellung werden gelöst und von den Wellen der Klappe abgezogen.

Zuletzt sollten eventuell vorhandene Luftverteilkanäle abgenommen werden.

Eingebaute Heizung unter Armaturenbrett
Eingebaute Heizung unter Armaturenbrett

Im Motorraum werden die Heizungsschläuche an der Spritzwand entfernt. Der Motor sollte kalt sein, weil man sonst mit dem heißen Kühlwasser in Kontakt kommt. Beim Abziehen der Schläuche läuft etwas Kühlwasser aus. Die Schläuche sollten nach dem Abziehen also ganz schnell hoch gehoben werden, um so möglichst wenig Wasser zu verlieren. Das auslaufende Kühlwasser wird durch eine Wanne unter dem Fahrzeug auffangen und die Rohrenden des Wärmetauschers zugestopft.

Um die Heizung lösen zu können, müssen an der Spritzwand jetzt die vier Blechmuttern (zwei oben, zwei unten) abgedreht werden.

Spritzwand von Motorseite mit Heizungskanal und Wasserschläuchen

Mit etwas Wackeln und Kraft kann der Heizungskasten nun im Innenraum abgenommen werden. Die folgenden Arbeitsschritte finden außerhalb des Fahrzeugs statt. Geht in der Garage oder dem Keller.

Der Wärmetauscher wird von zwei Klammern gehalten, die mit Schrauben fixiert sind. Beim Ausbauen des Wärmetauschers läuft ggf. noch etwas Wasser aus. Wenn der Wärmetauscher ausgebaut ist, geht es mit dem Blechteil selbst weiter.

Heizungskasten nach Ausbau
Heizungskasten nach dem Ausbau und ohne Wärmetauscher

Wenn der Kasten raus ist, kann man die Gängigkeit des Ventilators prüfen, indem man in den Zuluftkanal greift und den Lüfter anstößt. Die Luftführung kann ebenfalls gereinigt und konserviert werden.

Überholen des Kastens

Der Kasten wird von groben Resten, Rost und Schmutz sowie alten Dichtungen befreit. Dann mit Sandpapier bearbeitet und gereinigt. Um den Rost los zu werden, nehme ich Fertan Rostumwandler. (Der Beispiel-Link führt direkt zum Hersteller. Das Produkt wird aber auch in einschlägigen Shops angeboten.)

Heizungskasten behandelt
Heizungskasten behandelt

Nach einer ausreichend langen Einwirkzeit wird die lose schwarze Farbe mit Wasser und Lappen entfernt. Der verbliebene Rost ist schwarz eingefärbt/umgewandelt, das Metall sollte blank sein. Der Kasten ist jetzt bereit zum Lackieren.

Heizungskasten nach der Behandlung
Heizungskasten nach der Behandlung

Der gereinigte Kasten wird grundiert und anschließend mit Farbe lackiert. Die Wellen der Klappen habe ich mit Silikonfett geschmiert.

Heizungskasten lackiert
Heizungskasten lackiert

Im Netz gibt es mehrere Anbieter für die Dichtungen. Wichtig ist darauf zu achten, ob das Set für Heizungen mit oder ohne Klimaanlage und für Small– oder Big-Block-Motoren gedacht ist. Leider gibt es wenige Set mit Benennung der Dichtungen, daher nachfolgendes Bild.

Den Ausbau der Klappen habe ich mir gespart. Die Achsen sollen sich herausziehen lassen, um die Klappen zu entfernen.

Ich habe das versucht, aber die Achsen nicht herausbekommen. Mir ist nicht klar, wie Klappe und Achse zusammenhalten. Das Drehen der Achse bewirkt das Schwenken der Klappe. Sollte die Achse sich in der Falz der Klappe lösen, kann die Klappe nicht mehr betätigt werden, weil die Achse frei dreht. Das wäre sehr ungünstig.

Die Dichtungen wurden von mir mit etwas Mühe an die Klappen gezaubert. Zum Fixieren habe ich Sprühkleber oder Karosseriedichtungsmasse benutzt.

Wenn die Dichtungen eingeklebt sind, ist der Heizungskasten fertig zum Einbau.

Heizungskasten vor dem Einbau
Heizungskasten vor dem Einbau
  1. Auflage des Wärmetauschers, mit neuer Dichtung
  2. Klappe zur Temperaturregelung, mit neuer Dichtung
  3. Kanal für kalte Zuluft

Die Gängigkeit und den Weg der Klappen habe ich durch das testweise Anbringen der Bowdenzüge und des Heizungsregler ausprobiert. Der Heizungsregler ist nur mit drei Schrauben an der Instrumententafel befestigt. Die Bowdenzüge wurden von mir auch neu bestellt. Die neuen sind sehr viel leichtgängiger als die alten.

Der Einbau geht in umgekehrter Reihenfolge. Das Durchfädeln der Heizungsrohre ist etwas fummelig. Auch muss die Matte der Spritzwand mit unter den Kasten gefädelt werden. Von Motorraumseite kommen die vier Schrauben dran und von innen der ganze lose Kram.

Bei den Heizungsrohren haben wir uns etwas schwer getan. Wir mussten diese zum Einsetzen des Heizungskastens am Wärmetauscher etwas Richtung Motor biegen. Als alles in Position war, scheuerten die Heizungsschläuche natürlich am Motor, so dass wir die Rohre wieder vorsichtig nach außen gebogen haben.