Bremsflüssigkeit wechseln

Wechsel der Bremsflüssigkeit, Schritte, Anleitung, Hinweise

Veröffentlicht am 28. Dezember 2022
Aktualisiert am 13. Januar 2023

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Aufwand:

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Dauer:

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Allgemein

Das alte Auto benötigt, wie jedes andere auch, einen regelmäßigen Bremsflüssigkeitswechsel. In den alten Bremsanlagen sollte, laut Bosch, jährlich ein Wechsel erfolgen. Ob nötig oder nicht, kann ein einfacher Tester ab 6 EUR aus dem Zubehör oder vom Onlinehandel zeigen. Der misst den Wassergehalt in der Flüssigkeit und zeigt das mit farbigen LED an.

Der Wechsel muss spätestens bei einem Wasseranteil von >3,5 % erfolgen!

Nach allgemeinem Konsens soll für ältere Fahrzeuge eine DOT 3 Bremsflüssigkeit verwendet werden. Diese hat leider die Eigenschaft, noch schneller als moderne DOT 5, Wasser aufzunehmen.

Wasser in der Flüssigkeit bedeutet, dass beim starken häufigen Bremsen die erhitzte Flüssigkeit zur Dampfblasenbildung neigt, was zu Luft im System und damit verminderte oder fehlende Bremsleistung führt. Also, sehr gefährlich!

Hinweis!

Es wird überall empfohlen, für das Wechseln in eine Fachwerkstatt zu fahren. Ich habe jedoch nirgendwo gefunden, dass man das als Laie nicht auch selbst machen darf.

Ich gehe mit, dass man sich einen Plan machen muss, sich Wissen angeeignet haben muss, das richtige Werkzeug und Material besitzen muss. Wenn man überlegt und informiert vorgeht, ist das auch für Nicht-KFZ-Meister selbst zu machen.

Die Arbeiten werden auf eigenes Risiko durchgeführt! Fehler können zu einem Versagen der Bremsanlage und damit einem hohen Unfallrisiko führen!

Vorbereitung

Für das Wechseln benötigt man nicht nur die neue Bremsflüssigkeit, sondern auch etwas um die alte aus dem System zu bekommen.

Nach einigem Lesen habe ich mich für die o. g. Bosch DOT 3 Bremsflüssigkeit entschieden. Andere Anbieter sind sicher genauso gut. Wichtig ist, dass die Flüssigkeit nicht zwischen Fabrikaten gemischt werden darf.

DOT 4 oder 5 sollte nur verwendet werden, wenn man sicher ist, dass die Bremsanlagen insbesondere die Bremsleitungen die modernen Flüssigkeiten vertragen. Das falsche Produkt kann zu Korrosion führen. Bei der DOT 3 ist bei der Verwendung darauf zu achten, dass sie den Lack angreifen kann.

Als Menge sollte 0,5 Liter ausreichen. Benötigt man für die Entlüftung etwas mehr, sind 0,75 Liter einzuplanen.

Für die Entlüftung gibt ein ein paar Möglichkeiten. Grundsätzlich habe ich festgestellt, dass man ein „echtes“ Entlüftungsgerät u. U. gar nicht benötigt. Jedoch habe ich von anderen gehört, dass es ohne gar nicht möglich war. Um allen Problemen diesbezüglich aus dem Weg zu gehen, habe ich mir ein entsprechendes Gerät gekauft.

Es gibt mehrere Varianten:

  1. Vakuum-Handpumpe:
    • Kann funktionieren, wenn die Leitungen tadellos liegen und die Bremsanlage gut funktioniert.
  2. Entlüftungsgerät mit Unterdruckhandpumpe
    • Baut ein hohes Vakuum auf, lässt sich leicht bedienen, kein Strom oder Druckluftanschluss nötig.
  3. Entlüftungsgerät mit Kompressoranschluss
    • Das Gerät nutzt den Kompressordruck, um ein Vakuum aufzubauen.

Da ich in der Garage/Werkstatt einen Kompressor habe, beschaffe ich die Variante 3.

Weiter benötigt man, je nach Ausführung der Bremsanlage (Original, Nachrüst- oder Umrüstanlage) offene Ringschlüssel 8er, 9er, 10er oder das Ganze als Zollmaß, ggf. lassen sich Stecknüsse und Ratsche ansetzen.

Einige Tage vor der Arbeit checke ich den Zustand der Entlüftungsnippel an den Bremsen und sprühe diese mit Rostlöser ein. Der Straßenschmutz setzt ihnen gut zu und das Alter macht die auch nicht besser.

Wie ich oben bereits erwähnte, habe ich einen Kompressor und beschreibe daher für diese Variante die Arbeiten. Bei allen anderen Lösungen ist der Ablauf identisch, lediglich das Vakuum zum Saugen wird anderes erzeugt.

Durchführung

Die Entlüftungsnippel sind auf der Rückseite der Räder. Sollte man die nicht erreichen, müssen die Räder ab, der Wagen aufgebockt werden, eine Bühne oder Grube verwendet werden. Beim Aufbocken bitte berücksichtigen, dass der Wagen nicht zu schräg steht.

Als erstes wird die vorhandene Bremsflüssigkeit aus dem Ausgleichsbehälter des Hauptbremszylinder abgesaugt. Dafür wird der Vakuumbehälter benutzt und die Flüssigkeit darin aufgefangen.

Der Ausgleichsbehälter wird mit frischer Bremsflüssigkeit gefüllt.

Man beginnt an dem Rad, welches am weitesten vom Hauptbremszylinder entfernt ist. Der Entlüftungsnippel wird gelöst, ggf. tritt bereits Flüssigkeit aus, und der Schlauch mit dem Anschussstück daraufgesetzt.

Für den nächsten Schritt ist ein Helfer von Vorteil.

Jetzt wird das Vakuum bzw. der Unterdruck durch Pumpen erzeugt. Die Bremsflüssigkeit fließt durch den Schlauch zum Auffangbehälter. Die alte Bremsflüssigkeit ist in der Regel dunkler als frische. Durch betätigen des Bremspedals, kann man das Abfließen noch unterstützen. Das Ganze sollte schrittweise vorgenommen werden. Der Ausgleichsbehälter ist im Blick zu behalten, da dieser sich natürlich bei dem Vorgang leert.

Der Inhalt muss immer wieder aufgefüllt werden. Sollte der leergesaugt werden, kann Luft ins Bremssystem kommen und das ganze System muss komplett noch mal entlüftet werden.

Kommt nur noch frische Flüssigkeit, wird der Entlüftungsnippel geschlossen und man wechselt zum nächsten Rad.

Sind alle Räder fertig, nochmal kontrollieren und die Bremsflüssigkeit im Ausgleichsbehälter auffüllen. Der Füllstand sollte in jeder Kammer rund 6 mm unter dem hinteren Rand betragen. Behälter schließen und alles Equipment abbauen. Bremsenprobe.

Alte Flüssigkeit
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